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    Stadt Ohne Meer Festival 2019: Wie war’s? Bericht+Galerie! #SOM19

    Anzeige: Bei diesem Beitrag handelt es sich laut des aktuellen Leitfadens der Medienanstalten zur Werbekennzeichnung bei Social Media-Angeboten um Werbung, da ich von OK Kid zum kostenlosen Besuch des Festivals eingeladen wurde. Weitere Absprachen gab es nicht und meine persönliche Meinung bleibt davon unberührt.

    Gießen ist eine dieser Städte, von denen man durch ihre Universität, durch die Band Juli oder bestenfalls sogar durch OK Kid gehört hat. Wie viele Orte hat auch die siebtgrößte Stadt Hessens durchaus damit zu kämpfen, den jungen Menschen gute Musik direkt vor die Haustür zu bringen. Doch anstatt sich nur darüber zu beklagen, wurde aus einer Schnapsidee das Stadt Ohne Meer Festival, welches in diesem Jahr nun bereits seine zweite Ausgabe feierte.

    So und jetzt lest das Intro bitte nochmal und achtet auf Stadt, Stadt, anstatt, Stadt… uff…

    Heute soll es hier nun also endlich um das Stadt Ohne Meer Festival gehen – ein Open Air, von dem ich schon viel gehört habe, zu dem ich mich bisher aber noch nicht getraut hatte, da Gießen war nicht allzu weit entfernt liegt, in Sachen des nächtlichen öffentlichen Personennahverkehrs jetzt aber auch nicht optimal an meine Stadt angebunden ist. Ich kann also allein aus dieser Perspektive schon die Notwendigkeit eines eigenen Festivals nachvollziehen.

    Als ich das Open-Air-Gelände im Schiffenberger Tal erreiche, hat sich schon eine beachtliche Warteschlange junger Menschen vor dem Einlass versammelt. Sie haben Bock, alle haben Bock. Sie haben zum Teil Glitzer in ihren Gesichtern, ich nicht. Selbst die knappe Dreiviertelstunde Verzögerung des Einlasses verhagelt hier niemandem die Stimmung. Doch von”Verhageln” kann bei diesem Sonnenwetter heute ohnehin kaum die Rede sein: Das Wetter meint es gut mit dem Stadt Ohne Meer Festival und serviert uns einfach mal den bisher wohl heißesten Tag des Jahres.

    Stadt Ohne Meer Festival 2019

    Nachdem sich – wie oft üblich – die Klärung der Formalia einer Konzertfotografin mal wieder ein wenig in die Länge gezogen hat, beginnt für mich endlich der angenehme Teil des Tages und ich starte mit einer kleinen Begehung des Geländes. Während sich im vorderen Bereich die beiden abwechselnd bespielten Bühnen befinden, baut sich nach hinten hin ein richtiges kleines Festivalparadies auf. Vom Fotoautomaten und Merchandising über wichtige Initiativen wie Viva Con Agua und Seebrücke bis hin zum Podcast-Zelt und Camp Utopia, in welchem sich neben Blumenkränzen und Wachspapier auch Makramees herstellen lassen. Ich begrüße es, dass sich endlich mal wieder ein Festival gefunden hat, das den großen Müllbergen trotzt und sich der Nachhaltigkeit verschreibt und bin ehrlich erstaunt, wieso ich so etwas eigentlich noch nicht öfter auf den kleinen bis mittelgroßen Festivals gesehen habe.

    Liest du noch oder likest du schon?

    Und auch die prominente Präsenz des Limonaden-Herstellers Lemonaid (darf man die jetzt wegen ihres Zuckergehaltes überhaupt noch so nennen? Falls nein: Limonade! Limonade! Lemonaid ist für mich LIMONADE!) stimmt mich vorfreudig. Also von mir aus kann’s dann jetzt los gehen, oder?

    Den Start machen keine Geringeren als… Moment mal, eröffnen da etwa eiskalt OK Kid ihr eigenes Festival auf der Schwätzer Stage mit einer kurzen Gesangseinlage?

    Die Stimmung fürs erste ein wenig aufgeheizt, ziehen die Drei dann auch wieder von dannen und geben die Bühne für E.U.L.E. frei – eine regionale Newcomerband aus dem Raum Gießen. Eigentlich würde ich euch gern etwas mehr zu ihrer Performance sagen. Da mir aber mein Handy auf dem Festival heiß gelaufen ist und sich erst in den Abendstunden wieder geregt hat, habe ich es leider vergeigt, mir Notizen machen zu können. Womit die Band aber definitiv punkten kann, ist die Bühnenpräsenz. Jetzt mal ehrlich: Da habe ich schon viel bekanntere Musiker*innen gesehen, die ein deutlich langweiligere Show bieten.

    Der erste Act auf der riesigen Elefantenklo Stage heißt John Ohry. Wer bei seinem Aussehen einen angsteinflößenden Auftritt erwartet hat, irrt aber gewaltig. Hier gibt’s nicht nur eine wahnsinnig geile Stimme, sondern direkt noch tanzbaren Sound zwischen Pop, Rock, Soul und Reggae auf die Ohren. Passt zum Wetter und macht definitiv Lust auf mehr.

    Der nächste Act auf der 2nd Stage trägt nicht nur einen lustigen Künstlernamen, sondern hat auch eine etwas weitere Anreise auf sich genommen: Neulich noch auf Tour mit RIN, rappt Jugo Ürdens auf ironische Weise über sein Leben als Migrant in Österreich.

    Nahezu nahtlos geht es weiter mit einer kleinen Änderung im Line-Up: Da L’aupaire leider kurzfristig erkrankt ist, beehrt Döll das Hip Hop-hungrige Publikum. Und man könnte meinen, es sei nie anders geplant worden, so viele Leute feiern die Performance des Rappers.

    Fast wäre es mir entgangen, doch da mir die Sonne langsam echt auf den Schädel drückt, schaue ich mich ein wenig auf dem Gelände um und werde dabei zufällig Zeugin einer von Nura angezettelten Wasserschlacht mit den Leoniden. Ja, auf diesem Festival ist es wirklich möglich, dass selbst die am krassesten gefeierten Acts inmitten des Publikums ihren Spaß haben können.

    Während eines kleinen Gangs über das Gelände fällt mir dann auch wieder das Podcast-Zelt ein. Hier haben es sich zahlreiche Menschen mit Kopfhörern bequem gemacht, um einer Live-Episode des Machiavelli Podcast zu lauschen. Was für eine geile Idee!

    Doch zurück zur Musik, denn in der Zwischenzeit hat sich Goldroger auf der Schwätzer Stage eingefunden. Und wieder einmal bin ich froh, auf diesem Festival gelandet zu sein. Denn bisher hatte ich den Namen immer mit einer ganz anderen Musikrichtung verbunden. Umso mehr überzeugt er mich jetzt mit meiner wohl liebsten Gangart des Rap mit Rock- und Reggae-Elementen.

    Im Anschluss schlägt der Perfektionismus auf der Elefantenklo Stage um sich: Musikgenie MINE und ihre Band lassen sich für ihren Soundcheck extra ein wenig Zeit. Das Ergebnis kann sich umso mehr hören lassen und zeigt wieder einmal mehr, dass ihr moderner deutscher Pop derzeit zu Recht durch die Decke geht. Und nicht nur einfach so.

    Zurück auf der 2nd Stage gibt es für mich ein weiteres Wiedersehen: Das letzte Mal habe ich Ahzumjot wohl auf der ersten Ausgabe des Kosmonaut Festivals erlebt. Seitdem hat sich in Sachen Sound eine Menge bei ihm getan und er droppt seine Musik wie am laufenden Band.

    Es ist mal wieder soweit: Ich halte die Hitze der Sonne kaum aus und ziehe mich auf den hinteren Teil des Festivalgeländes zurück. Hier gibt es für die podcasthungrige Meute mittlerweile Hotel Matze auf die Ohren.

    Auf der großen Elefantenklo Stage wird es wieder gitarrenlastiger: Mit den Powerfrauen von GURR kommt endlich wieder ein bisschen Rockmusik auf das Festival. So sehr ich Hip Hop auch eigentlich mag, weiß ich diese Abwechslung gerade doch sehr zu schätzen.

    Und dann ist es endlich soweit: Zwischen wahnsinnig schmerzhaften Pits (ich hab’s ausprobiert, weil ich sonst nach meinen drei Songs im Graben absolut nichts gesehen hätte!) und viel Liebe fackeln die Leoniden das Stadt Ohne Meer Festival 2019 beinahe ab. Ich kann nach wie vor kaum begreifen, was in den letzten zwei Jahren alles bei den Habibis passiert ist. Wer nicht weiß, was ich meine, dem empfehle ich einen Blick auf frühere Artikel des Blogs, da ich die Jungs nun schon etwas länger begleite und derzeit vor Stolz auf sie nur noch so platze.
    Eins mag ich an dieser Stelle aber dann doch noch anmerken: Party schön und gut, aber liebe Leute, bitte achtet in den Pits noch auf euer Umfeld und mäht nicht alles und jeden rücksichtslos um. Ich hab mich bereits in Pits verschiedenster Bands getummelt, aber hätte mir bei diesem nicht ein netter Typ raus geholfen, ich wüsste ehrlich nicht, ob es bei den Fußschmerzen und den paar blauen Flecken geblieben wäre…

    So kommt es dann auch, dass ich völlig außer Atem in den Pressegraben zu den Giant Rooks hetze, mich in ihre wahnsinnig starke Ausstrahlung und Show verliebe (!) und trotzdem nach nur wenigen Songs Ruhe am Podcast-Zelt suche, um einfach mal wieder ‘ne Runde klarzukommen und durchzuatmen. Zum Glück gibt es aber immerhin ein paar andere Leute, die auch dort einen vermutlich weniger gefährlichen Pit eröffnen.

    Während meiner Zwangs-Ruhepause unterhalte ich mich mit einem Helfer des Festivals und offenbare ihm meine “Angst” vor dem folgenden Konzert. Denn ja, im Gegensatz zu super vielen Leuten konnte ich mich nie mit der Musik von SXTN anfreunden, da Themen wie Alkohol, Drogen und Party gar nicht weiter abseits meiner persönlichen Lebensrealität liegen könnten. Man gibt mir einen starken Tipp: Nuras Musik eher wie die von K.I.Z. verstehen wollen. Ich nehme mir diesen Ratschlag zu Herzen.

    Der größte Fan werde ich an diesem Abend ganz sicher nicht, aber mit einer so anderen Perspektive verstehe ich zumindest, was das Publikum an Nura hat. Sie ist Entertainerin durch und durch und sorgt dafür, dass die Leute vor der Bühne einfach nur eine geile Zeit haben. Mein einziger Kritikpunkt bleibt ab diesem Punkt das wahnsinnig ausgedehnte Rahmenprogramm mit Wettbewerben, Singen mit einem Fan, Wasserbombenschlacht (gefährlich für die Technik!) und einer Geräuschekulisse wie in einem dieser derzeit so wahnsinnig populären überdrehten YouTube-Videos. Ich denke jedoch, dass sich das geben sollte, sobald Nura mehr Songmaterial am Start hat.

    Es ist mittlerweile dunkel geworden und ich realisiere jetzt erst, wie voll das Festivalgelände doch ist. Kein Wunder, folgt doch jetzt das große Konzert der Gastgeber OK Kid. Einen krasseren Kontrast zu ihrem Promo-Set in Siegen hätte ich mir kaum vorstellen können. Riesige Bühne, Liveband, ein Feature mit Gerard Und sie atmen die Stadt ein, aus und sie atmen die Nacht aus, ein… passiert das hier gerade wirklich?
    Als wäre das nicht genug des Wahnsinns, werde ich ausgerechnet nun selbst noch von einer tollen Person angesprochen, die meine Fotos liebt und sich wahnsinnig darüber freut, mich endlich einal live und in Farbe zu sehen. Ja, mich. Es ist verrückt. Und es ist wunderschön.

    Emotional wäre ich damit eigentlich schon komplett mit diesem Festival durch. Trotzdem schleppe ich mich ein letztes Mal zur Schwätzer Stage, um dort zumindest kurz noch das Treiben der Drunken Masters zu dokumentieren. Besonders Nura hat bei denen noch einmal mächtig Spaß.

    Stadt Ohne Meer Festival 2019: Meine Konzert-Highlights

    Auch wenn das Line-Up des Festivals in seiner Gesamtheit ziemlich stark war, gab es da ein paar Auftritte, die mir besonders stark im Gedächtnis geblieben sind.

    John Ohry – Wenn das Aussehen und die Musik in so starkem Kontrast stehen. Überraschungsmoment des Festivals!
    Goldroger – Zwischen den verschiedenen Spielarten des Hip Hop an diesem Tag meine liebste.
    Leoniden – Von dieser heftigen Show war selbst der sonst eher Techno hörende Security-Mann überzeugt.
    Giant Rooks – Wahnsinnige Bühnenpräsenz, ‘ne Menge Spaß und dann auch noch aus NRW?! Ich bin verliebt.
    OK Kid feat. Gerard – Absolut nicht damit gerechnet und hin und weg gewesen. Danke!

    Stadt Ohne Meer Festival 2019: Das lief top

    Lemonaid > andere Limonaden (außer vielleicht Fritz)zahlreiche Aktivitäten auch neben den Konzerten (Kicker, Basteln, Podcasts, Bier-Yoga)
    das nahezu nahtlose Bühnenprogrammeine absolut entspannte Security
    Wasserschlacht Nura vs. Leonidenein paar Frauen im Line-Up (da geht sicher noch mehr, oder?)
    der “Schlauchmann” und das kostenlose WasserZeitpläne an den verschiedensten Ständen
    die schönste Deko der Weltviel Fläche zum Chillen

    Stadt Ohne Meer Festival 2019: Ideen/Wünsche für die nächste Ausgabe

    etwas bessere Organisation der Presseakkreditierungen und evtl. Lanyard mit Pass und Zeitplan?
    Ausbau des veganen Essensangebots – Ich habe abseits von Pommes irgendwie nur Vegetarisches gesehen…
    möglicherweise etwas mehr Schatten? – Ist natürlich schwer,wenn man nicht die Sicht behindern will
    meine persönliche Präferenz: gern etwas mehr musikalische Vielfalt!

    Mein Fazit zum Stadt Ohne Meer Festival 2019

    Insgesamt muss ich sagen, dass sich das Stadt Ohne Meer Festival keineswegs vor seiner Konkurrenz zu verstecken hat. Das gemütliche Open Air in Mittelhessen hat sich direkt bei meinem ersten Besuch ganz weit oben in meine Festival-Hitliste auf die obersten Plätze neben das Rockaway Beach Open Air in Losheim am See (Saarland) und das Blank it! in Blankenfelde (Brandenburg) katapultiert. Chapeau!

    Ein großes Fragezeichen schwebt nun aber doch noch über meinem Kopf: Das Festival nennt sich also frei nach dem Liebeslied an Gießen also Stadt ohne Meer, dreht sich optisch aber vor allem um genau das: Quallen, Muscheln, Sandstrand. Selbst Viva con Agua und Seebrücke gliedern sich in dieses sprachliche Bild ein. Brauchen wir in Gießen denn jetzt ein Meer oder geht’s auch ohne?

    Fotos: Stadt Ohne Meer Festival 2019

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