Rezension: Whiteriver – A Beautiful Place to Hide

Whiteriver sind eine junge Post-Hardcore-Band aus Siegen. In guter alter Do it Yourself-Manier haben sie ihr erstes Album “A Beautiful Place to Hide” zusammengeschustert.

Whiteriver A Beautiful Place To Hide Cover
Name A Beautiful Place to Hide von Whiteriver ¹
Erschienen am 08.07.2016
Musikstil englischsprachiger Post-Hardcore
Für Fans von… La Dispute, anorak., kála, …
Spieldauer 32:01 min verteilt auf 9 Songs
Weitere Infos Facebook Webseite Instagram YouTube
zu erwerben via Amazon*, Bigcartel (physisch) & iTunes

Eines fällt schon auf den ersten Blick auf: “A Beautiful Place to Hide” von Whiteriver hat absolut keinen Grund dazu, sich irgendwo zu verstecken. Die Schönheit des Covers weckt in mir auf Anhieb den Wunsch einer physischen Form der Platte. Ja, eine Vinyl davon wäre für mich schon allein von der Optik her ein echt begehrenswertes Sammlerstück…

Doch wie heißt es so schön? Das Aussehen entscheidet darüber, wer zusammen kommt, der Charakter entscheidet, wer zusammen bleibt. Es wird also Zeit für die inneren Werte. Let’s go.

Mit “Set And Setting” gehen Whiteriver den Weg eines recht klassische atmosphärischen Intros, dessen zunächst recht ruhige Art von Schlagzeug und emotionaler etwas heiser klingender Stimmengewalt durchbrochen wird und mich dabei nur allzu sehr an La Dispute erinnert. “A closer look in the mirror, this isn’t me / ashamed of what I’ve become.”

“Royal Blood” zeigt sich da schon von Anfang an von einer anderen Seite und brettert ohne große Umschweife drauf los. Die Vocals wirken eine ganze Spur kräftiger. Die ruhigeren melodischen Parts bieten eine sehr stimmige Abwechslung und erinnern dabei sowohl musikalisch, als auch textlich, ein wenig an die Kölner von anorak. “Can’t we blame our society? How will our mankind survive? The world is not as it seems, I’d rather change my life.”

Einen völlig anderen Kontrast dazu bietet “Amy”. Das Instrumental baut sich langsam mit dem Geräusch von plätscherndem Wasser auf. Es geht eindeutig um eine ziemlich unschöne Trennung, die Verzweiflung in den Vocals macht mich ziemlich fertig. Ein treibendes Schlagzeug stößt dazu. Dieser Song holt mich tatsächlich so richtig ab. Stark!

Liest du noch oder likest du schon?

Während bei “Amy” der Vergleich mit anorak. nahe lag, sind es bei “Atlantis” im Bezug auf den Sound die Innsbrucker von kála, an die ich spontan denken muss. Diese musikalisch eindrucksvolle Gesellschaftskritik beginnt zunächst etwas ruhiger, steigert sich dann aber in Sachen Lautstärke und recht melodischer Instrumentalisierung und brettert los. Erst im gemütlichen Kopfnicktempo, ab etwa Hälfte des Songs spürbar schneller. Besonders gut gefallen mir hier die als Echo eingesetzten Cleans. Ich bin mir sicher: Hierzu kann man vom feinsten abgehen.

Whiteriver haben es irgendwie mit den Wechseln. “No Gods…” nimmt das aufgekommene Tempo zu Beginn wieder etwas raus, die leichte Reibeisenstimme wirkt dadurch noch emotionaler als eh schon. Auch dieser Song brettert dann wieder so richtig los, wird laut, sehr basslastig. Für mich vielleicht eine Spur zu basslastig. “I remember darkest times, when everything seemed to be burned. A god who let us here to die.” Wumms!

Ohne große Umschweife geht der Track nahtlos in seinen Nachfolger “… Only Humans” über. Die Lautstärke ballert wieder ordentlich, auch das Schlagzeug spricht für sich. Hier wird geklotzt und nicht gekleckert. “Seeing blindly, hearing, yet deaf / 
Feeling heartless, although there is a heart” – So langsam machen mich Whiteriver sprachlos.

Das Album hat insgesamt spürbar an Fahrt aufgenommen. “Back Home” bleibt auf einem lauten und schnellen Niveau, kommt dann aber doch wieder etwas zur Ruhe. Tolle Melodik im Hintergrund. Und eine ganz spezielle Liebeserklärung an die eigene Mutter.

“Unwritten” baut sich anfangs wieder etwas auf, ehe es schön durchwummert. Der Track beschreibt den wichtigen Selbstfindungsprozess, besticht in meinen Ohren durch eine besonders starke tolle Melodik und passend eingestreute kurze Cleans.

“Endeavor” holt mich mit seiner Filmsoundtrack-Atmosphäre ein letztes Mal so richtig ab und erinnert daher ein wenig an die großartigen Acres. Der letzte Track der Platte baut vor allem auf sein starkes melodisches Instrumental, besticht aber auch durch die wohl meisten Cleans auf dem ganzen Album.

Starke melodische Instrumentale, typische Themen des Alltags eines Aufwachsenden, berechtigte Kritik (vor allem an der Menschheit), ein gutes Gleichgewicht von ruhig und laut, langsam und schnell. “A Beautiful Place to Hide” von Whiteriver bietet eine angenehme Abwechslung, die nicht zu schnell langweilig werden dürfte.

Ein großes Kompliment geht raus an Whiteriver. Ihr habt da eine wirklich starke Platte raus gehauen, die nicht im Geringsten nach Do It Yourself klingt und dabei auch noch verdammt hübsch aussieht. Ich bin davon überzeugt, dass ihr mit diesem Album einfach alles richtig gemacht habt.

Anspieltipps: Amy, Atlantis, Endeavor

Sharing is caring

Du magst, was du hier siehst? Hinter Schallgefluester steht eine einzige Studentin, die ihre rare Freizeit zwischen Uni, Arbeit und Privatleben am liebsten Künstler*innen und Veranstalter*innen mit ähnlichem Herzblut für die Musik widmet und weitaus mehr Geld, Energie und Arbeitsaufwand hineinsteckt, als sie zurückbekommt. Mit einer kleinen Spende kannst du dich für diesen Einsatz erkenntlich zeigen und mir das Bloggen so ein Stück weit weniger stressig gestalten. Weiterhin kannst du mich gern als Fotografin für On-Tour-Fotografie und einzelne Konzerte weiterempfehlen oder selbst anfragen. Beispielfotos und Referenzen findest du im Portfolio. Kein Geld und keine Band? Kein Problem, Sharing is caring. Like und verbreite meine Inhalte gern in deinem Freundeskreis und erhöhe so meine durch fiese Algorithmen geschwächte Reichweite. 

Weitere Beiträge

1 Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

About Me

Mein Name ist Tini, ich bin 24 Jahre alt und studiere Medienwissenschaft irgendwo am Rande NRWs.
Mein Leben finanziere ich mir derzeit mit meinem Nebenjob als Software Testerin.
Im September 2013 startete ich diesen Blog und im Spätsommer 2014 entdeckte ich dadurch meine größte Leidenschaft - die Konzertfotografie.

Schallgefluester

Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Schallgefluester ist dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ – hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionen und Ankündigungen – ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und KAFVKA oder großer Fisch wie Alligatoah, Billy Talent oder The Pretty Reckless – für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

Wenn du gut findest, was ich hier in meiner Freizeit auf die Beine stelle, dann kannst du mich gern mit einer freiwilligen Spende unterstützen. Das so eingenommene Geld fließt ausnahmslos in das Fortbestehen dieser Webseite.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de

Instagram

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen