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    Auf den Punkt: Kurzrezensionen #02

    von welt milliardenstadt anorak enthusiasts and collectors rezension schallgefluester

    [dropcap]E[/dropcap]s ist Zeit für zwei neue Kurzrezensionen. Dieses Mal hat sich Tini eine jahrelang erwartete EP von Von Welt und ein besonders aufwühlendes liebevoll gestaltetes Album von anorak. zu Gemüte geführt.

    Kurzrezension: Von Welt – Milliardenstadt (EP)

    Von Welt Milliardenstadt

    Ich kann mich schon gar nicht mehr dran erinnern, so lange ist es her, dass ich einst das Crowdfunding unterstützt hatte. Damals hieß die Band noch A5 Richtung Wir, bestand vermutlich in anderer Besetzung. Wen ich jedoch auch noch aus 2009 in Erinnerung habe, ist Frontmann Nicolas Kuri. Ansonsten hat sich eine Menge getan. Mittlerweile nennt sich die Band Von Welt und besteht aus insgesamt vier Musikern.

    Milliardenstadt heißt die EP, welche nach mehreren Jahren und vielen Rückschlägen entstanden ist. Zunächst stutze ich kurz, wieso ich neben einem Poster nur ein kleines Büchlein in den Händen halte. Darauf lässt sich eine Berglandschaft mit zum Teil schneebedeckten Kuppeln erahnen. Es riecht nach Fernweh, aber irgendwie auch nach Ruhe. Was eine Berglandschaft allerdings mit einer Milliardenstadt zu tun hat?
    Im Büchlein selbst befinden sich neben äußerst ästhetischen fernwehherbeirufenden Fotos Songtexte und die eigentliche EP – nur eben in anderer Form. Die Band hat zu einer rein digitalen Verbreitung ihrer Musik entschieden. Ein mutiger und doch nachvollziehbarer Schritt. Auch wenn es mich doch ein wenig wundert, dass in dem Download-Package auch ein paar Smartphone-Hintergründe – lediglich für verschiedene Versionen des iPhones – enthalten sind. Braucht man so etwas heutzutage?

    Der Titel des ersten Tracks “Raus” beschreibt den Sachverhalt der vier Tracks starken EP recht gut. Es geht ums Ausbrechenwollen aus den festgefahrenen Wegen und Erwartungen Anderer. Milliardenstadt handelt von verpassten Chancen und dem Älterwerden. Damit zusammenhängenden Gefühlen. Getragen werden diese Unterthemen des Erwachsenwerdens von recht gitarrenlastigem leicht sphärischem Pop-Rock. Hier und da mal mehr oder weniger impulsiv. Und an einer Stelle sogar mit einem beeindruckenden Sprech-Part.
    Thematisch gesehen sticht der Song “Scheitern” wohl am meisten heraus. Der Track handelt kurz gesagt von einer selbstverliebten verwöhnten Jugend, die vor all dem YOLO in dieser Welt die wichtigen Dinge im Leben nicht mehr wertschätzen kann, sich noch nicht einmal selbst gefunden hat und an diesen Zuständen letztlich zerfällt. Ein Widerspruch zu den oben angesprochenen Themen der EP? Nicht unbedingt.

    Wer Spaß an deutschsprachigem Pop-Rock mit kritischen Texten rund um das Älterwerden hat, kann sich die EP der Vier auf jeden Fall einmal anhören.

    Liest du noch oder likest du schon?

    Release 06.05.2016
    Musikstil Pop-Rock Sprache Deutsch
    für Fans von Astairre, Dreimillionen Herkunft Deutschland
    Anspieltipp Scheitern Kaufen mit Fotobuch, MP3 via Amazon*
    Social Networks Facebook | Instagram | YouTube | Twitter

    Kurzrezension: anorak. – enthusiasts and collectors


    Anorak enthusiasts and collectors

    Eigentlich muss ich gar keine großen Worte mehr dazu verlieren. Wer meine Postings in den letzten Wochen verfolgt hat, der weiß, was ich von anorak. aus dem Raum Köln/Düsseldorf halte. Ob in Siegen oder anderswo – ich bin jedes Mal aufs Neue von Ihrer Live-Performance beeindruckt. Die Bühnenpräsenz und Livetauglichkeit kann ihnen niemand absprechen.

    Das Artwork der bisher auf 500 Stück limitierten Vinyl-Version des Albums enthusiasts and collectors – jeder handgedruckte Sleeve wird anhand des darauf befindlichen Polaroids zum Unikat – ist Teil des Projekts “humans and landscapes” des Gitarristen Julian Pache. Ursprünglich geht es hier um die Betrachtung von Natur und Landschaften aus urbaner/touristischer Perspektive. Was das Kunstprojekt und die Musik der Band konkret verbindet, ist die leidenschaftliche Sammlung einzelner Erlebnisse.

    enthusiasts and collectors zeigt es mit aller Deutlichkeit – anorak. lassen sich in keine Schublade pressen. Sie erschaffen mit ihrer Musik etwas Eigenes, was ich so vorher noch nie gehört habe. Irgendwo zwischen Screamo, Post-Hardcore und Indie haben sie eine Nische gefunden, die sie meiner Ansicht nach derzeit als einzigartig auszeichnet. Teils schwer verdauliche Texte treffen auf spannende Rhythmikwechsel, viel Melodik und ein Wechselbad der spürbaren Emotionen. anorak. lenken mit enthusiasts and collectors die Aufmerksamkeit auf Einzel- und Massenschicksale und regen mit ihrer Musik zur Selbstreflexion an. Von der Borderline-Erkrankung aus verschiedenen Sichtweisen (“the calm”, “the tempest”), dem Alltag mit Zwangsneurosen (“forlorn/desolate/alone”) bis hin zur Frage, inwieweit man die Spielchen der Gesellschaft überhaupt mitspielen kann und will, spricht die Band an, was sonst kaum jemand in der Musikwelt zu äußern vermag.

    anorak. beweisen mit dem Album enthusiasts and collectors wahres Fingerspitzengefühl und bestätigen nur das Bild, was ich bereits von ihnen hatte: Diese Band gehört zu den guten Menschen auf der Welt und denkt nicht nur an sich. Das beweist unter Anderem auch die enge Zusammenarbeit mit der DKMS.

    Release 06.05.2016
    via Uncle M
    Musikstil einfach nur anorak. Sprache Englisch
    für Fans von La Dispute, Acres Herkunft Deutschland
    Anspieltipp forlorn/desolate/alone, the tempest Kaufen & Hören via Uncle M, Amazon*, iTunes, Spotify
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    Sharing is caring

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    2 Kommentare

  • Antworten Whiteriver - A Beautiful Place To Hide | Schallgefluester 8. Juli 2016 unter 12:55

    […] und erinnern dabei sowohl musikalisch, als auch textlich, ein wenig an die Kölner von anorak. „Can’t we blame our society? How will our mankind survive? The world is […]

  • Antworten Fotos/Bericht: von Welt Stille Konzerte in Siegen | Schallgefluester 12. Juni 2017 unter 13:31

    […] „Milliardenstadt“ EP des vierköpfigen Bandprojektes von Welt und ich schrieb sogar hier einen kleinen Text dazu. Trotz der unfassbar schönen Video-Eindrücke der „Stillen Konzerte“ […]

  • Antworten