Fotos/Bericht: Bochum Total 2015 – Freitag

Tag zwei des Bochum Total Festivals steht in Sachen An- und Abreise auch wieder unter keinem guten Stern. Wir sind nervlich und körperlich am Ende. Doch dafür beeindrucken uns Susanne Blech und La Confianza umso mehr und machen die Strapazen irgendwie wieder wett.

Zum Glück haben wir heute nur einen recht späten Termin auf unserem Plan. Erst nach 21 Uhr möchte ich unbedingt La Confianza sehen. Die Band ist mir irgendwann mal zufällig im Internet aufgefallen. Doch bis dahin schlagen wir uns die Zeit noch mit Bahnrundreisen tot und erkunden nach Ankunft in Bochum sämtliche Seitenstraßen.
In einer bleiben wir schließlich spontan sitzen, nehmen uns das Programm zur Hand und stellen fest, dass da jemand beim Erstellen des sonst gut umgesetzten Ablaufplans geschlampt hat. Nach dem spielen nämlich täglich die selben Bands im Riff. Das wäre schön, ist aber leider falsch.

Intuitiv fasse ich den Entschluss, Susanne Blech nach eher schief gelaufenen Online-Hörproben vor knapp einem Jahr nun doch eine Chance zu geben. Mit kleiner Verspätung entern sie die 1LIVE Bühne und flashen uns vom ersten Moment an völlig. Keine Ahnung, was da beim Probehören danebengegangen war. Das, was da on Stage jedenfalls abgeht, ist einfach nur genial. Wenn man ihre Musik beschreiben müsste, wäre es wohl etwas zwischen Deichkind und Frittenbude. Nur halt eigen, mit leuchtender Basedrum, Masken, wildem Herumgespringe auf der Bühne und einem Typen mit einer Wasser-Armbrust. Einfach stark! Im Publikum fliegen währenddessen Holi-Farben durch die Luft. Mit Worten ist diese Party nicht mehr zu beschreiben. Was Susanne Blech da mit ihrem Publikum veranstalten, ist tatsächlich großes Kino. Und auch die Security zeigt sich wachsam, verbannt Glasflaschen aus dem Publikum, zieht Crowdsurfer heraus und achtet zumindest im ihr möglichen Umkreis auf das bunte Treiben. Chapeau!

Leider müssen wir uns recht schnell wieder von dieser verrückten Szenerie losreißen. Wir suchen das Riff und werden knapp abseits des üblichen Veranstaltungstrubels fündig. Auch hier stoßen wir zu unserer Überraschung wieder auf überaus kompetente und nette Securitykräfte, schrammen an einem finanziellen Ruin durch Verlust der Verzehrkarte nur äußerst knapp vorbei, bekommen die letzten Minuten vom zeitlich wohl etwas verschobenen Gig der genreüberschreitenden Gastone mit und warten quasi nur noch auf den clubinternen Aufguss.

Doch die Vier von La Confianza bringen uns genau das Gegenteil. Es wird noch heißer als es in diesem Backofen eh schon war. Aber geheult wird nicht. Viel zu genial ist die Musik dieser Band – Deutscher Crossover mit Sinn und Verstand, größtenteils hart und moshwürdig, in Form eines energetischen Auftritts, wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben. „Kopfkino“ etwa macht einen Anschein von Double-Time und ist trotzdem instrumental gesehen recht hart. Das HipHop-lastige „Melodie“ wiederum eignet sich für Frontmann Manifou besonders zu regem Augenkontakt mit dem dankbaren Publikum, welches teilweise sogar weiß, wie man fachgerecht bounct.
Auch wirft der Herr des Mics mit Papiergeld um sich. Hoffentlich geht er mit seinem echten Geld nicht genau so um! Falls doch – man, dem geht’s ja gut!
Zum Glück befindet sich der Merchandising-Stand außerhalb des Clubs und so empfinden wir zum ersten Mal an diesem Tag die Luft dort als angenehm.

Nach einem kurzen Gespräch mit Manifou und dem Stage Manager der Bühne schlagen wir uns zum Bochumer Hauptbahnhof durch. Die Erfahrung zeigt: Seitenstraßen zahlen sich aus! Was dann allerdings folgt, kann nur aus einer Art Horrorfilm stammen. Nun gut, wir wissen ja, dass bei der Bahn momentan schief läuft, doch muss es gleich so ein Tohuwabohu sein? Da werden Bahnen per App und Anzeigen am Bahnsteig angezeigt, die laut Dauerschleifen-Lautsprecheransage angeblich ausfallen, laut großer Anzeigetafel im Foyer verlegt wurden und letztlich doch – wenn auch mit reichlich Verspätung – an einem anderen Gleis einfahren. Dass auch die darauffolgende Bahn von einem anderen Gleis fahren soll, erfährt man natürlich erst, nachdem einem ein junges Mädchen ihr gesamtes Innenleben fachgerecht vor die Füße gekotzt hat und ihre Freundin bis dahin dreimal vergessen hat, dass sie sie zu einem Taxi schleifen wollte.
Doch irgendwann fährt eine verspätete Bahn ein, welche aufgrund eines Einsatzes auf den Schienen eine Umleitungsstrecke durch das dunkle Nirgendwo fährt. Genau da, wo vor wenigen Minuten Leute auf die Gleise sprangen oder gemütlich ihre Beine hinunterbaumeln ließen.

Liest du noch oder likest du schon?

Weiterführende Links

Facebook Webseite YouTube Facebook Twitter YouTube

Sharing is caring

Du magst, was du hier siehst? Hinter Schallgefluester steht eine einzige Studentin, die ihre rare Freizeit zwischen Uni, Arbeit und Privatleben am liebsten Künstler*innen und Veranstalter*innen mit ähnlichem Herzblut für die Musik widmet und weitaus mehr Geld, Energie und Arbeitsaufwand hineinsteckt, als sie zurückbekommt. Mit einer kleinen Spende kannst du dich für diesen Einsatz erkenntlich zeigen und mir das Bloggen so ein Stück weit weniger stressig gestalten. Weiterhin kannst du mich gern als Fotografin für On-Tour-Fotografie und einzelne Konzerte weiterempfehlen oder selbst anfragen. Beispielfotos und Referenzen findest du im Portfolio. Kein Geld und keine Band? Kein Problem, Sharing is caring. Like und verbreite meine Inhalte gern in deinem Freundeskreis und erhöhe so meine durch fiese Algorithmen geschwächte Reichweite. 

Weitere Beiträge

Noch keine Kommentare

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Die Autorin

Hallo, mein Name ist Tini. Gerüchten meiner Eltern zufolge besuchte ich mein erstes Konzert mit gerade einmal drei Jahren. Heute bin ich neben meinem Studium der Medienwissenschaft notgedrungen im Software Testing und Design/Marketing unterwegs, um mich finanziell irgendwie über Wasser zu halten. Mein Herz habe ich im Jahr 2014 allerdings an die Konzertfotografie verloren und seitdem auch nicht wieder bekommen…

Schallgefluester

Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Schallgefluester ist dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ – hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionen und Ankündigungen – ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und KAFVKA oder großer Fisch wie Alligatoah, Billy Talent oder The Pretty Reckless – für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

Wenn du gut findest, was ich hier in meiner Freizeit auf die Beine stelle, dann kannst du mich gern mit einer freiwilligen Spende unterstützen. Das so eingenommene Geld fließt ausnahmslos in das Fortbestehen dieser Webseite.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de

Instagram

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen