Rezension: Tipps für Wilhelm – Hornissen

Über die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel hat sich Christin eine kleine Auszeit in ihrer Heimat genommen. Dabei ist sie auch in ihrer Herzensstadt Berlin gelandet, wo sie plötzlich wieder an das auf ihrem CD-Stapel völlig verstaubte Album von Tipps für Wilhelm erinnert wurde. Besser spät als nie ist hier die Devise und so hat sie den gemütlichen Silvesterabend unter anderem mit „Hornissen“ untermalt.

Wie man auf Bands mit so einem eigensinnigen Namen stößt? Ich fasse mich kurz – Radio Fritz spielt die tollsten auch weitgehend unbekannten Perlen der Musikwelt. So verliebte ich mich eines Tages auch in Darbietungen und die sympathische Art der deutschen Indiepop-Gruppe um den Singer-Songwriter Guillermo Morales.

Tipps für Wilhelm - Hornissen
Name Hornissen von Tipps für Wilhelm ¹
Erschienen am 25.07.2014
Musikstil deutscher Indiepop
Spieldauer 37:43 min verteilt auf 12 Songs
Weitere Infos Facebook YouTube Webseite Bandcamp SoundCloud
zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.

Was mich an der Musik von Tipps für Wilhelm so fasziniert, ist der positive Grundton. Obwohl die Themen oftmals durchaus nachdenklicher und trauriger sind, von eher unspektakulärem Gang durch die Stadt bis Trennung reichen, so verfällt man an keiner Stelle des Albums in einen Trott oder Rausch von Selbstmitleid. Im Vordergrund steht größtenteils eine Form der Motivation, mal mehr und mal weniger. Ein Beispiel dafür ist das auf seine Art irgendwie befreiende „Bleib in deiner Stadt“, in dem es heißt „Bitte lüg’ bevor du gehst, dass ich dir wahnsinnig fehl’. Und wenn du denkst, dann denk an mich, damit du merkst, wie’s ist.“ Wer wünscht es sich nicht, dass sich das Gegenüber auch nur einmal so fühlt wie man selbst? Das lässt nach vorn blicken.
Auch „Nicht wegen dir“ folgt diesem Thema und ist sicher als balladesk angehauchter Song mit Untermalung eines Akkordeons einer der bedrückendsten und zugleich hoffnungsvollsten Tracks. Ein Beziehungsende ist auch immer ein Neuanfang. „Nicht wegen dir schneide ich mir alle Haare ab, hab das niemals gemacht; nur der Trost, es ist noch Sommer, ganz weit im August. Nicht wegen dir lade ich mich überall selbst ein, kann nicht alleine sein…“
Im Kontrast dazu handelt es sich bei „Ganz weit im Osten“ beispielsweise um eine äußerst charmante Liebeserklärung an die nicht ganz so trubelreiche und glitzernde Heimat. „Ich bleibe kleben, ich bleibe hier leben, von wegen zu grau, ich habe dich nie so geseh’n.“ 
Beim Durchhören des Albums fällt mir eins besonders auf – ich ertappe mich immer und immer wieder dabei im Takt mitzuwippen oder mit den Fingern irgendwo drauf zu tippen. Obwohl mich die Inhalte der Songs nachdenklich stimmen, kann ich anhand der gegebenen Rhythmik kaum traurig sein. Vielmehr motiviert die Musik von Tipps für Wilhelm, frei nach „Sieben Tage wach“ – „Ich könnte heulen oder weinen, das würde gar nichts dran ändern.“
„Bolivien“ stellt nicht nur Morales’ Heimat dar, welche er in der frühsten Kindheit verließ. „Ich kann nicht glauben, wie man einfach verschwindet, aus diesem Land, in dem ich ohnmächtig war. Ich habe hunderte Millionen Geschichten. Du kannst entscheiden, ob sie falsch sind oder wahr. Meine Ängste hatten nichts mehr zu fressen, ich war die Beute für ein dreckiges Nest. Ich weiß, du kannst bis heute gar nichts begreifen. Ein Herz bekommt nur, wer es wirklich verdient.“
Auch gibt es da diese Stolpersteine im Leben, die man zu bewältigen hat. Nicht immer ist alles einfach. Manchmal muss man auch einfach an sich glauben. „Nein, ich weine nicht, für mein Leben nicht, denn ich geh’ und lauf’ und renn’ für mich.“ 
Obwohl der Sound trotz der Abwechslung von rockig und eher balladesk durchaus dazu veranlasst, das Album „Hornissen“ nur mal eben so nebenbei durchlaufen zu lassen, so lohnt es sich ohne Frage, auch einmal genauer reinzuhören und sich über die Bedeutung der einzelnen Songs seine Gedanken zu machen. Denn wenn dieses Album etwas ist, dann sicher ein nicht: lieblos dahingeklatscht. In „Hornissen“ stecken so viele Erfahrungen, Gedanken, Emotionen und ganz viel Herz.

Anspieltipps: „Bleib in deiner Stadt“, „Ganz weit im Osten“, „Keine Zeit“, „Nicht wegen dir“, „Bolivien“

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Mein Name ist Tini, ich bin 24 Jahre alt und studiere Medienwissenschaft irgendwo am Rande NRWs.
Mein Leben finanziere ich mir derzeit mit meinem Nebenjob als Software Testerin.
Im September 2013 startete ich diesen Blog und im Spätsommer 2014 entdeckte ich dadurch meine größte Leidenschaft - die Konzertfotografie.

Schallgefluester

Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Schallgefluester ist dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ – hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionen und Ankündigungen – ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und KAFVKA oder großer Fisch wie Alligatoah, Billy Talent oder The Pretty Reckless – für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

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