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    UnterTagen – Die Band mit Merch zum Druntertragen

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    Die Drei ??? waren gestern. Christin hat sich vor einigen Wochen mit Christian (Gesang, Gitarre) und Christopher (Schlagzeug) von UnterTagen zu einem gemütlichen Plausch getroffen. Auf dem Green Juice Festival in Bonn erzählten zwei Chaoten von Ängsten, musikalischen Kreuzfahrten und Mode.

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    Heyhey, wie geht’s eigentlich Marie?

    Christian: (lacht) Ich habe sie erst letzte Woche wiedergetroffen. Der geht’s jetzt echt gut, ja. Alles cool.

    Christopher: Die hatte ihren Spaß.

    Christian: Ja genau, die hatte ihren Spaß.

    Und jetzt ist der Spaß erstmal vorbei?

    Christian: Ja, jetzt fängt der Ernst des Lebens für sie an und deshalb ist der Spaß erstmal vorbei.

    Wenn eure Musik eine Person wäre… wie würde diese aussehen, was würde sie ausmachen?

    (breites Grinsen, Gelächter, Köpfe rauchen)
    Christopher: Oh je!

    Liest du noch oder likest du schon?

    Christian: (zu Christopher) Fällt dir was Dummes ein?

    Christopher: Ich glaube, die wäre auf jeden Fall in zwischen 18 und 30 Jahre alt. Stünde vor irgendeiner wichtigen Lebensentscheidung. Aber hat eigentlich gar einen Bock die Entscheidung zu treffen, sondern mehr Spaß zu haben.

    Christian: Oder sie studiert noch im 13. Semester oder was… Ob männlich oder weiblich, weiß ich jetzt gar nicht. Trifft eigentlich beides zu.

    Christopher: …irgendwas dazwischen.

    Christian: (nickt) Und sie würde wahrscheinlich in irgendeiner Studentenstadt leben.

    Ihr existiert als Band schon seit 2007, es gab EPs und Touren, der „große Wurf“ des Albums steht dann aber erst im nächsten Jahr an, richtig?

    Christopher: Das ist angedacht, ja. Schauen wir mal, ob wir das packen.

    Wieso hat das bisher so lange gedauert?

    Christian: Weil wir echt ein bisschen Zeit gebraucht haben, in der wir uns selbst gefunden haben. Nach dem Motto: „Ey, wo wollen wir überhaupt hin?!“ und das ist uns in den letzten zwei Jahren irgendwie gelungen. In der Zeit haben wir ziemlich viele neue Songs geschrieben und haben dann ausgesiebt, welche passen jetzt unserer Meinung nach zu uns. Die Zeit war auf jeden Fall notwendig und die zwei Jahre haben uns auch gut getan.

    Christopher: Wir klingen jetzt auch um einiges rockiger, glaube ich, und rougher als auf der ersten EP. Das war einfach so ein Wandel, den wir gebraucht haben – auch für uns selbst. Jetzt haben wir einige Lieder und mal schauen, was wir mit denen so anstellen in nächster Zeit.

    Christian: Das war auch textlich so eine Sache: Wo soll es hingehen, in welche Richtung, welche Leute wollen wir ansprechen. Darüber haben wir uns dann nochmal Gedanken gemacht und das ist uns, glaub ich, gelungen.

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    v.l.n.r.: Christopher, Christian & Christin (Tini)

    Wie muss man sich das vorstellen, wenn sich UnterTagen für so lange Zeit ins Studio verziehen – Tag und Nacht Musik, keine frische Luft außer zum Bier nachkaufen und als Besuch nur der Pizzadienst?

    Christopher: Das ist tatsächlich teilweise so gewesen, ja. Wir haben unseren Proberaum ja auch in unserem Heimatort, wo wir alle herkommen und auch geboren wurden und auch noch wohnen. Vor allem bei Christian und mir war es teilweise wie ein richtiger 9-to-5-Job. Wir haben uns dann wirklich eingeschlossen, haben im Proberaum geschrieben und geschrieben.

    Christian: Und das halt auch über Tage hinweg.

    Christopher: Da steht dir der Kopf nachher wie ein Quadrat oder Prisma.

    Christian: Jedenfalls kann man keine Pizza mehr danach essen, weil man ja echt schon so oft bestellt hat.

    Christopher: Und wir haben leider nur einen Pizzaservice in unserem Dorf!

    Christian: Da schmeckt dann immer alles gleich. Ja, aber das war echt so. So kann man sich die Zeit im Studio schon vorstellen.

    Wie ist das im Songwriting- und Aufnahmeprozess eigentlich? Denkt man da schon bis zum Liveaspekt mit, so dass man Songs vielleicht bewusst so konstruiert, dass sie live besonders abgehen?

    Christian: Also so ganz am Anfang bei der Entstehung eines Songs macht man sich noch nicht so Gedanken drum. Aber wenn der Prozess weitergeht, denkst du dann schon so „Ey, wie wollen wir das eigentlich live rüber bringen? Das funktioniert ja gar nicht mit zehn Gitarren da drin!“ und dann muss man wieder was rausschmeißen. Wir müssen das halt so machen, dass er auch livetauglich ist.

    Christopher: Zu dem Prozess, den ich vorhin gemeint habe, dass wir ja rougher geworden sind und dadurch gemerkt haben „Okay, wir funktionieren als Liveband eigentlich ganz gut“. Wir wollen auch mehr dieses Livefeeling, mehr dieses roughere, rauere in den Songs mitnehmen. Nicht so glatt gebügelte Pop-Produktion. Zum Beispiel haben wir die komplette EP im Studio aufgenommen und dann haben wir alles wieder über den Haufen geschmissen und haben uns einfach in den Proberaum gestellt und die Songs aufgenommen und haben es dann auf die EP gepackt.

    Christian: (nickt zustimmend) Jap!

    „Das Gefühl, das mich nicht loslässt, ist die Angst.“ – habt ihr als Band Ängste vor irgendetwas oder schaut ihr sehr zuversichtlich auf alles, was noch kommt?

    Christopher: Ich glaube, du hast den Text falsch verstanden. „Das Gefühl, das DICH nicht loslässt…“
    (Christian lacht)

    Das spielt jetzt gar keine Rolle!

    Christian: Schlaumeier hier nebenan… Also, Angst hat man immer, wenn man bei einem Festival spielt und es könnte regnen. (alle grinsen breit) Aber sonst haben wir eigentlich keine Angst vor der Zukunft oder so, weil eigentlich alles gerade echt cool läuft und von daher…
    Und du? (schaut zu Christopher)

    Christopher: Nö!

    Christian: Bist auch nicht so der Schisser?

    Christopher: Ich habe Angst davor, dass Schalke verliert.

    Vielleicht, dass das Album nicht so ankommt, nicht so zündet wie erhofft?

    Christian: Das kann man ja vorher eh so nicht einschätzen.

    Christopher: Ja, das kannst du nie so genau sagen. Deshalb lässt du ja auch besser diesen Gedanken ‘Hey, wie kommt das jetzt an?’ oder ‘Machst du’s damit jedem recht?’. Du kannst es nie jedem recht machen. Also lässt du den Gedanken einfach weg und machst, was für dich am besten klingt. Entweder mögen es die Leute oder sie mögen es nicht. Die, die es mögen, mit denen haben wir dann unseren Spaß live auf der Bühne.

    Christian: Ja! So sehe ich das auch.

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    v.l.n.r.: Christopher, Christian & Christin (Tini)

    Welche Träume hat eine Band wie UnterTagen? Völlig egal, wie realistisch diese sind…

    Christopher: Wir wollten schon immer mal als Liveband auf einem Kreuzfahrtschiff die Leute unterhalten. Das ist unsere Sache, auf die wir richtig Bock haben.
    (Gelächter)

    Sind dort dann nicht eher Rentner? Außer wenn es eine Heavy Metal-Kreuzfahrt ist.

    Christian: Kreuzfahrt ist Kreuzfahrt.

    Christopher: Wenn wir keinen Indie-Rock machen würden, würden wir Blasmusik spielen. Und das kommt dann wieder an bei der älteren Generation gut an.

    Christian: Ein anderer Traum wäre es, mal in einem Flugzeug zu spielen. Das wäre auch eine coole Sache, glaub ich.

    Christopher: Flugzeug wäre echt cool. Und mal bei einer Raumfahrt spielen.

    …Und welche Schlagzeile würdet ihr zu gern mal über euch als Band lesen?

    Christopher: UnterTagen wieder vollkommen übernächtigt.
    Christian: Ne! Wir haben ja eine Modekollektion! Die heißt UnterTagen zum Druntertragen“. Das läuft dann alles über einen Drittanbieter und eine Unterhose kostet dann halt so 20 Euro. Wenn sich das durchsetzen würde, wäre das echt geil! Wenn dann jeder mit UnterTagen-Unterwäsche rumlaufen würde.

    Das sieht man dann aber nicht so…

    Christian: Die müssen dann natürlich alle die Hose auslassen!

    Christopher: Und wir spüren das! Wir merken es, wenn Leute unsere Unterwäsche tragen!

    Christian: Genau! Das wäre cool. „UnterTagen zum Druntertragen ist jetzt voll der Hit“ oder sowas.

    Christopher: Die ganzen Modeblogger haben die dann. Wir verkaufen die dann nämlich über Asos oder so.

    Das wird dann aber nochmal teurer auch!

    Christian: Jaja, natürlich!

    Sowohl Festivaltour, als auch EP und ein Song tragen den Namen „Chaos“ – seid ihr wirklich so große Chaoten wie es scheint?

    Christian: Ja!
    (Christopher nickt)

    Christian: Teilweise schon.

    Christopher: Teilweise wirklich, ja.

    Wie äußert sich das?

    Christian: Wir vergessen schon oft Sachen. Wenn wir mit dem Bus vom Proberaum losfahren, fahren wir bei halber Strecke… also nicht bei halber Strecke… aber da sind wir gerade los gefahren und merken irgendwie „Oh! Wir haben irgendwas vergessen!“ und das passiert echt so oft! Das ist ein bisschen chaotisch.
    Das Chaos, das wir damit meinen, ist ja eher positives Chaos. Wenn man halt feiern geht und so weiter… So sind wir natürlich auch. Aber so richtig chaotisch sind wir eigentlich nicht.

    Christopher: Wir sind noch erträglich!

    Christian: Es geht gerade noch so!

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    In letzter Zeit stellen wir ganz gern eine Frage… ganz einfach, weil wir das für wahrscheinlicher als einen klassischen Weltuntergang halten. Die Zombieapokalypse beginnt. Wie seid ihr gewappnet?

    Christopher: Darüber haben wir uns schon ganz oft unterhalten. Wir würden bei der Apokalypse in der Waldhütte eines Freundes von uns mit einem Liegestuhl und einem Kasten Bier dahin chillen, weil du ja eh nichts dagegen machen kannst. Von daher… ein letztes Bierchen zusammen trinken!

    Christian: Naja, gegen die Zombies kann man schon was machen. Das müssten wir dann so machen, wie bei Resident Evil oder sowas.

    Christopher: Kommt aber drauf an, ob du scharfe Waffen nutzen darfst, oder nur so Knüppel.

    Christian: Ich hab schon sehr lang nicht mehr Resident Evil gespielt. Von daher kenne ich mich da nicht mehr so aus wie man mit Zombies umgeht.
    Also, ich würde einfach davon laufen, glaube ich. Einfach losrennen. Blind. Total chaotisch!

    Wer weiß, wo sich die Zombies dann auch rumtreiben!

    Christian: Naja, da hat der Chris aber auch recht. Gegen so eine Apokalypse kann man nicht viel machen…

    Christopher: Also doch eher das Bier!

    Christian: Einigen wir uns auf Bier.

    Zu guter Letzt – was wollt ihr der Welt gern mitteilen?

    Christian: Hallo Mama! Nee… boah, die sollen mal aufhören sich da überall gerade die Köpfe einzurennen. So Weltfrieden wäre schon schön.

    Christopher: Das war jetzt nicht nur so lapidar daher geredet. Das ist wirklich ernst gemeint.

    Christian: Das ist wahrscheinlich so eine Standardantwort, aber es ist einfach so. Wenn alles ein bisschen friedlicher auf der ganzen Welt wäre, wäre es glaub ich ein ganz guter Platz zum Leben.

    Christopher: Also gerade ist es wirklich extrem!

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    Informationen zum Interview

    Das Interview mit Christian und Christoph von UnterTagen fand am 23. August 2014 in Bonn statt.

    Dankeschöns

    Ein fettes Danke für die Ermöglichung des Interviews geht raus an das Green Juice Festival, sowie natürlich auch an die Band UnterTagen selbst.

    Sharing is caring

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    2 Kommentare

  • Antworten Ankündigung: Green Juice Special #1 | Schallgefluester 27. Februar 2016 unter 00:05

    […] Ihr Euch noch an unser Interview mit UnterTagen und unsere ersten hochwertigeren Fotos – vom Green Juice Festival in Bonn? Ende […]

  • Antworten Fotos/Bericht: UnterTagen und Stereogold in Bonn | Schallgefluester 15. März 2017 unter 20:46

    […] Verzögerung hatten wir die Gelegenheit dazu, unsere Jungs von UnterTagen nach unserem Interview nun auch aus nächster Nähe in Aktion zu fotografieren. Aber wer ahnt schon vorher, […]

  • Antworten