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    Rezension: Domi, bade! – Im Schatten der Stadt

    [dropcap]M[/dropcap]anchmal kommt einfach alles aufeinander… durch den Blog lernt man ja hin und wieder ganz coole Künstler kennen, in deren Bekanntenkreis sich wiederum andere tolle Musiker herumtreiben. So stießen wir glücklicherweise auch auf „Domi, bade!“. Was die EP so zu bieten hat, hat sich Christin einmal genauer angehört – so genau, dass sie sich seit Release mal wieder viel zu viel Zeit genommen hat. 

    im schatten der stadt domi bade
    Name Im Schatten der Stadt von Domi, bade! ¹
    Erschienen am 01.08.2014
    Musikstil deutschsprachiger Indie-Rock
    Spieldauer 25:23 min verteilt auf 7 Songs (inkl. 1 Bonustrack)
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    zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.

    Domi, bade! Hihihihi, was für ein Wortspiel. Gut, genug gekichert. Schon langst verstanden, dass das Herz des Projekts Dominik Bade heißt und es sich demnach um ein Wortspiel handelt. Ein recht charmantes, das irgendwie gut im Kopf bleibt.
    Das Design der EP mit dem Namen „Im Schatten der Stadt” ist recht schlicht gehalten und soll wohl nicht vom Inhalt ablenken oder etwa zu viel preisgeben. Ein hübsches Bokeh von Lichtern. Damit kann man ja sowieso schon einmal nichts falsch machen. Notieren wir also: Prägnanter Bandname, zeitloses CD-Design und ein Titel, der noch nicht zu viel verrät. Andere Bands hätten bis hier hin schon so viel falsch gemacht. Doch Butter bei die Fische – es wird Zeit für die inneren Werte.

    „Laufen und kommen nicht voran“ lautet der vielversprechende Titel des EP-Openers. Ein fast schon 30 Seconds to Mars-artiger Einstieg trifft auf eine schlichte Akustikgitarre und einen sehr klar herausstechenden Gesang. Domis Stimme ist prägnant und klingt einfach nur schön, erinnert hier in den Tiefen ein wenig an Peter Trevisan von EMMA6. Falls man sich in eine Stimme verlieben kann, so sei dies hiermit passiert. Vermutlich würde ich mir auch Gedichte oder Romane in der Sprache der SIMS von dieser Stimme vorlesen lassen wollen, so angenehm klingt diese hier. Der Song nimmt zwar im Laufe seiner nicht zu knappen 4:30 Minuten an Instrumentalisierung zu, übertreibt es aber nicht. Ein weiterer Pluspunkt. Einmal in Endlosschleife bitte!
    „Und der Mut, der bleibt still, wenn die Angst in den Mittelpunkt tritt“ – auch das recht optimistische und selbstbewusste Land in Sicht” beginnt zunächst eher zurückhaltend, nimmt aber bis zum ersten Refrain schließlich kräftig an Fahrt auf. Es wird Zeit, sich zu bewegen. „Nicht die Welt ändert sich, das bin ich, das bin ich, das bin ich“. So kann es doch glatt weiter gehen.
    „Vorher leben” spricht für sich. Dieser lebensbejahende Song macht so unglaublich gute Laune. „Und wenn mein Großvater abends wieder Geschichten erzählt, dann weiß ich, er hat die ganzen Sachen auch schon durchlebt”. Bereits nach kürzester Zeit singt man den Refrain nur noch glücklich grinsend mit. Another achievement unlocked.
    Doch nun ein kleiner Umbruch. „Von Schurken und Dieben” geht in eine andere Richtung als die Vorgänger. So lässt sich auf Anhieb eine Mundharmonika heraushören. Auch klingt der Sprachgebrauch von Schurken” so wie der Rest des Songs etwa ein wenig eingestaubt und nicht so spektakulär wie die anderen Titel, wenn auch die wunderbare Stimme in diesem Song wieder sehr gut zum Ausdruck kommt, was ihn mich ja doch wieder in Endlosschleife hören lässt. Schlau gemacht, Mister Bade!
    „241“ geht dann  wieder direkt umso mehr in rockiger Manier nach vorn. „Wir sind die Seelen, die nachts um die Häuser zieh’n, die sich schwör’n, sich niemals mehr zu verlieben.“
    Der Song spricht für sich und hat definitiv seine Daseinsberechtigung und ist auf seine Art und Weise einfach nur unbeschreiblich großartig und mitreißend.
    Doch nun folgt ein kleines Geständnis – „Nach all diesen Jahren/”Rémys Song“ ist durch seine angetrunkene „Wir-singen-gemeinsam-denn-noch-sind-wir-hier”-Schunkelatmosphäre bei mir leider zum Skippen verurteilt worden. Hicks! Pardon. Mag aber mit Sicherheit genug Leute geben, die sich damit super identifizieren können.
    Zu guter Letzt befindet sich noch ein Bonussong mit dem Titel „Trübes Ich” auf der Platte. Dieser hebt sich – oh Wunder – noch einmal von den anderen Tracks ab, ist sehr einfach gehalten. Ein wenig Akustikgitarre und Gesang. Und so nachdenklich er auch sein mag, irgendwie plätschert er für mich nur so vor sich hin. Hätte mir also wahrscheinlich auch nicht gefehlt. So wie ein Shantychor, den ich mir da unerklärlicherweise immer dazuwünsche, wenn ich diesen Song höre…

    Insgesamt lässt sich sagen, dass es sich als Fan der handgemachten ehrlichen deutschen Gitarrenmusik durchaus lohnt, die Platte für wenig Geld zu erstehen. „Im Schatten der Stadt“ ist eine vielseitige EP, die auf keinen Fall im Schatten anderer CDs verblassen muss. Zumal eine Sache bisher noch gar keine Beachtung fand: Die Platte ist auf 750 Stück limitiert und jedes einzelne kleine Werk persönlich von den Jungs signiert. Ein echtes Liebhaberstück also. Für so viel Liebe gibt es direkt ein extra großes Chapeau.

    Anspieltipps: „Laufen und kommen nicht voran“, „Vorher leben“, „241“

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