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    Rezension: Tigeryouth – Leere Gläser

    Schallgefluester Tigeryouth - Leere Gläser

    [dropcap]T[/dropcap]ilman Benning ist irgendwie so der Punk unter den deutschen Singer-Songwritern. Ohne teilweise zu wissen, wieso er an welcher Stelle welchen Akkord anschlägt, singt und zappelt er mit viel Gefühl von Alltagserfahrungen und bewegt damit die Zuhörer. Schon allein dies macht ihn zu einem ganz besonderen Musiker. Grund genug, sich „Leere Gläser“ von Tigeryouth einmal genauer anzuhören. Der Albumtitel „Leere Gläser“ suggeriert zunächst etwas Negatives, irgendwie auch Pessimistisches. Wieso sind die Gläser nicht voll oder halb voll? Warum ausgerechnet leer? Oder steht da etwa jemand vor dem Ergebnis eines wunderbaren Trinkabends mit Freunden, dessen Spuren er gerade beseitigen muss? Man weiß es nicht. Titel und Cover lassen allerlei Raum für Spekulationen. Zumindest geben sie somit keinen eindeutigen Nährboden für etwaige Erwartungen an das Album. Das ist gut, das lässt den Kopf frei und so überwiegt tatsächlich die Neugier.

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    Name Leere Gläser von Tigeryouth ¹
    Erschienen am 09.05.2014 via Zeitstrafe
    Musikstil deutscher Akustikpunk
    Spieldauer 14:29 min verteilt auf 14 Songs
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    zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.
    Das Intro des Albums wirkt wie das Intro einer Jamsession oder eines Konzerts. Man kann nur erahnen, was da vonstatten geht. Schritte, Kabel, Gitarre. Gleich geht es los. Und dann bricht auch schon „Streichholz“ über den Hörer herein. Vom ersten Moment an ergreift mich das Gefühl, mitwippen zu müssen. Tilmans kratzige rauchige Stimme, die Art, wie er den Texten Leben einhaucht… das ist einzigartig. Und schon möchte man unbedingt mitsingen. Zumal er recht unverblümt von der Freiheit berichtet, die er sich nimmt, von seiner großen Liebe zur Musik. „Für das hier würd’ ich sterben“. Klare ehrliche Worte und ein gewaltiger Ohrwurmcharakter. „Ich hab noch nie gern mitgeschrieben, wenn der Lehrer was diktiert.“ Ohne große Atempause schließt sich das etwas weniger treibende „Vor Berlin“ an. Es liegt Unbehagen in der Luft, wenn auch das Instrumental für sich eher entspannt wirkt, wie der Soundtrack eines gemütlichen Roadtrips etwa. Der Song scheint tatsächlich von einer Mitfahrgelegenheit zu handeln, doch auf eher negative Art und Weise. Oberflächlichkeiten werden ausgetauscht. Die Zeit vergeht nur schleppend. „Noch fünf Stunden bis Köln, irgendwo auf der Raste dreißig Kilometer vor Berlin.“ Doch Kopf hoch – diese Reise lohnt sich. Und daran gilt es zu denken. Weniger schleppend präsentiert sich das Album in all seinen Facetten. So besingt Tilman noch des Öfteren Ängste wie im eher unaufgeregten „Pflaster“„Wir alle suchen irgendwas, an das wir glauben können, irgendwas, das uns glauben lässt, wir sind nicht so klein wie wir uns fühlen. Und irgendwas, das es erträglich macht, nicht zu wissen, was am Ende kommt und was am Anfang war.“ Überhaupt hat Tilman ein Händchen für die Themenwahl. Für andere Menschen unbequem – für Tigeryouth genau richtig. So wird auch sein Vagabundendasein, seine große Reiselust, durch sein Debütalbum zum Ausdruck gebracht. So wie etwa in „Fernweh IFühl mich geborgener auf Matratzen fremder Menschen als in meinem eigenen Bett. Mir fällt die Decke auf den Kopf, wenn die Euphorie verschwindet, die Gitarre noch verpackt und immer ‘n bisschen heiser.” Auf diesen Track folgt das sehr starke und präsente „Fernweh II“, welches akustisch und thematisch nahtlos an diese Gedankengänge anschließt. „Wer hat mich nach Hause gebracht? Guten Morgen, fremde Stadt. Guten Morgen, fremdes Mädchen. Guten Morgen, fremder Mann.“ Auch im sich nach und nach aufbuenden Rio lässt den Vagabunden in Tilman aufleben. „Zwischen Sao Paulo und Amsterdam geht so viel verloren. Irgendwo in Bremerhaven, Mexiko und dein Haus am Meer und denkst du noch manchmal an die Nächte in den Dünen, an den Sternenhimmel und das Gefühl, alles verstanden zu haben.“ Eine andere Facette ist die der kritischen Selbstreflektion wie in „Der letzte Schluck der Flasche vs. Das Glück der Welt“ „Und meine Freiheit beschränkt sich auf die paar Stunden Rausch, wenn die Straßenlaternen an und der Rest der Welt ins Bett geht […] und meistens Mitte des Monat merke ich, ich hab wieder über meine Verhältnisse gelebt.“ Wofür man Tilman nur bewundern kann – oftmals enden seine Songs sehr abrupt. Das mag entgegengesetzt zur üblichen Hörgewohnheit seltsam wirken, leuchtet aber letztlich ein und wirkt damit umso genialer. Tigeryouth bringt die Songs einfach genau auf den Punkt. Wieso eine Geschichte wie manch andere Musiker noch ins Endlose ziehen, wenn bis zu einem jenen Moment alles erzählt ist? Und so fällt dann auch die etwas sehr knapp bemessene Spielzeit von 14 Minuten und 29 Sekunden nicht negativ auf, da diese es erst möglich macht, die Songs auf das Nötigste zu reduzieren. Das Album ist eine Berg- und Talfahrt der Stimmungen, ganz genau wie das wahre Leben. Und trotzdem erscheint es wie aus einem Guss, Song für Song passt einfach zusammen, nichts fällt unangenehm aus dem Rahmen. „Leere Gläser“ ist unglaublich berührend, unglaublich schön und eine ganz große Empfehlung an die Welt da draußen. Genau wie die neuen Tourtermine von Tigeryouth. Anspieltipps: „Streichholz“, „Vor Berlin“, „Disko“, „Pflaster“ Tigeryouth auf Tour facebook event
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