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    Rezension: KopfEcho – Fernweh

    Schallgefluester Monatsfavoriten Juni 30

    [dropcap]B[dropcap]esser spät als nie. Und trotzdem könnt Ihr mich allzu gern dafür steinigen. Zumindest mit Wattebällchen, das wäre okay. Schon längst wollte ich eine Rezension zu einer Platte veröffentlicht haben, die mir ein guter Bekannter ans Herz gelegt hatte. Die empfohlene Düsseldorfer Band heißt „KopfEcho“ und deren EP trägt den Namen „Fernweh“.

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    Name Fernweh von KopfEcho
    Erschienen am 27.06.2014 via Wolverine Records
    Musikstil Streetpop/taffer deutscher Gitarrenrock
    Spieldauer 22:07 min verteilt auf 7 Songs
    Weitere Infos Facebook YouTube Webseite
    zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.

    Die Band KopfEcho möchte also mit einem Bobbycar in die Ferne ausbrechen. So oder so ähnlich kann man das Cover der Ende Juni erschienenen EP „Fernweh“ deuten. Ob sie damit so weit kommen werden? Man weiß es nicht. Das K und das E des Bandnamen sind die einzigen zwei Elemente, welche in einem knalligen Pink erstrahlen. Der Rest ist schlicht in monochrom gehalten.
    Spontan schießen mir Assoziationen zur ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen stammenden Luxuslärm in den Kopf – eine taffe Leadsängerin mit auffälligerer kraftvoller kratziger Stimme und durchaus auch härtere Songs im Petto. Stimmlich hat sie wiederum etwas von einer wütenden AnNa R.
    Auch durch die EP zieht sich der rote Faden einer starken Frau, die weiß, was sie will und was sie sich wiederum nicht gefallen lässt. Das mag auch recht gut zum Engagement gegen Sexismus, Intoleranz, Unterdrückung, Faschismus und Gewalt passen. Alles getreu dem Bandmotto „Zwischen Schönheit und Dreck… Laut und bunt!“

    Der Namensgeber der CD etwa lässt sich zunächst der recht schlichten deutschen Rockmusik ohne große Schnörkel zuordnen. Der Text hat stellenweise fast schon Volksliedcharakter. „Ich habe Fernweh, will die Welt seh’n, zurück ans Meer, ach wie schön das wär'”. Doch der Song baut sich – wie auch andere Titel der Platte – langsam auf. Nach etwa zwei Dritteln der Spielzeit röhrt Sängerin Amy regelrecht los, dazu setzt eine fast schon skandierende aggressivere kraftvolle Männerstimme ein. Dieser Wechsel überrascht und gefällt.
    Und auch sonst hat die EP allerlei Pfeffer im Hintern. „Nein heißt nein“ beispielsweise lebt schon von einer deutlich härteren Grundstimmung. Zeilen wie „Das Denken mit dem Schwanz macht dich noch lange nicht zum Mann” und „Du siehst hier nicht nur mich, du siehst nur ein Objekt, nein heißt nein, meine Titten – mein Revier” sprechen bereits für sich. Klare Worte. Ein Statement. Eine selbstbewusste Frau.
    „Goodbye“ ist ein Song nach meinem Geschmack – ein seichter Beginn, kurz darauf unterbricht ein männlicher Ruf diese Stimmung. Eine dreckige Overdrive-E-Gitarre setzt ein und ab diesem Punkt handelt es sich um einen Song zum Mitgrölen und Abtanzen.
    Und so ist es mit der kompletten EP. Es gibt Höhen und Tiefen, ruhigere und kraftvollere Parts. Die Band verlässt sich nicht allein auf Amys Stimme, sie setzt auf Zusammenarbeit. Das macht die Musik von KopfEcho auf jeden Fall spannender.

    Wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich aber weniger, dass diese Art der Musik meine Altersklasse anspricht, da die Texte doch schon sehr direkt sind und auch die Instrumentalisierung stellenweise etwas leicht Eingestaubtes an sich hat. Doch ein paar wenige Jahrgänge später, so Ende zwanzig, könnte das schon ganz anders sein. Auf jeden Fall würde ich meiner ziemlich junggebliebenen Mutter auch eher zur handgemachten Rockmusik von „KopfEcho” als zu einer plastischen von Nichtigkeiten schwafelnden Helene Fischer raten und wäre sehr stolz darauf, wenn sie ein Konzert der Düsseldorfer Band besuchen würde. Was ich an dieser Band auf jeden Fall grandios finde, sind das Selbstbewusstsein, das sie ausstrahlen und ihr gesellschaftliches Engagement. Allein deshalb lohnt es sich schon einmal, in deren Musik hineinzuhören.

    Anspieltipp: „Goodbye“

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