Im Interview: RAZZ – Vom Welpenbonus und Von Wegen Lisbeth

Ich habe mich am Sonntag der Ruhr Games 2017 extra etwas früher auf den Weg ins Stadion Rote Erde in Dortmund gemacht, um dort mit Niklas und Steffen von RAZZ über ihre sportlichen Ambitionen, deutschsprachige Musiker und den Weltuntergang zu sprechen.

SG: Wir sind hier jetzt bei den Ruhr Games. Habt ihr denn irgendeinen Bezug zu Sport oder seid ihr die unsportlichsten Personen der Welt?

Niklas: Steffen ist ganz gut im Skaten. Der hat sich bei Rock am Ring neulich eine Harry Potter-Narbe zugezogen.
Steffen: Das kannst du dann in den Bericht mit einblenden, das Bild.

SG: …Oohh!

Niklas: Er war nicht sehr vorbereitet auf das Skaten am Nürburgring bei Rock am Ring und hat sich fies hingelegt. Das war zwei Stunden vor dem Gig und er musste dann noch ins Krankenhaus gefahren werden und seine Narbe musste genäht werden. Aber sonst…
Beide: …sonst sind wir sehr sportlich! (beide lachen)
Niklas: Nein, es ist okay. Ich finde Handball mega interessant. Ich hab tatsächlich noch nie Handball gespielt, aber ich find’s wirklich cool. Und was ich auch mega faszinierend finde, sind die FMX und die BMX Leute hier. Also wie die auf ihren Bikes die Stunts machen, das ist schon echt beeindruckend. Das sieht gut aus.

SG:. Ich glaube, das würde ich auch nur versehentlich machen. Also dass ich dann mal versehentlich über das BMX fliege. Aber die machen das ja so gekonnt.

(alle lachen)
Niklas: Ja und die landen vor allem auch gut.

SG: Ja! Und haben nicht so ’ne Harry Potter Narbe danach.

Steffen: Ich glaube, einen Salto krieg ich auch hin, aber das danach wird schwierig.

SG: Die Landung ist blöd, ne?

Steffen: Ja die Landung…
Niklas: Einmal!
Steffen: Ja, einmal schaffe ich’s!

SG: Als ihr so erste Mal so ein bisschen gehypet wurdet, wart ihr ja noch deutlich jünger. Hattet ihr da das Gefühl, dass ihr trotzdem ernst genommen wurdet oder gab es da so einen Welpenbonus? Wie habt ihr das persönlich empfunden?

Niklas: Am Anfang war es tatsächlich so, dass es immer so von einigen Seiten belächelt wurde. Laut Internet bin ich auch seit 27 Jahren fünfzehn. (lachen) Aber eigentlich ganz gut. Mittlerweile ist es auch schon gefühlsmäßig schon für uns besser geworden. Einfach, weil man von den meisten nicht mehr als Teenie-Band wahrgenommen wird. Auch wenn wir immer noch ’ne echt sweete Boyband sind (lachen).
Steffen: Ja also mir gefällt das auch. Deswegen hat es auch etwas länger damals gedauert mit dem ersten Album – das kam ja etwas verspätet. Aber das kam uns eigentlich ganz gelegen, denn man möchte halt nach seiner Musik beurteilt werden und nicht zuerst danach, wie jung man ist und danach erst die Musik. Da sind wir eigentlich ganz froh, dass wir etwas gealtert sind. (lachen) Da kann man sich sicher sein, dass es nur um die Musik geht.

SG: Das ist doch schon mal super. Wie alt seid ihr jetzt im Schnitt eigentlich?

Steffen: Im Schnitt 20… nee 21.

SG: Ihr seid schon immer noch jung. Jetzt komm ich mir mal alt vor.

Steffen: Wie alt bist du?

SG: 23.

Steffen: Ach das geht doch.
Niklas: Ja! Gehst strikt auf die 40 zu.

SG: Ja danke! (lacht)

Niklas: 17 Jahre, dann ist’s vorbei.

SG: Ja danke!

Niklas: Charmeur. Kann ich.

SG: Wenn eine Person RAZZ überhaupt nicht kennt, wie würdet ihr die Band der Person nahebringen?

Steffen: Also ich würde ihm einfach empfehlen, mal auf ein Konzert zu gehen oder sich mal einen Song anzuhören. Weil Musik ist ja subjektiv und die Meinung darüber muss man sich halt selber bilden. Man könnte natürlich grob sagen, wir machen elektronischen Indie-Rock aber damit ist es halt nicht getan, da gehört noch viel mehr dazu.
Niklas: Oder wir sagen einfach, wer Money Boy mag, der mag auch uns.

SG (lacht): Da werden sich aber einige wundern.

Niklas: Aber vielleicht interessiert es auch einige. Und wir erreichen ’ne neue Fanbase.

SG: Habt ihr das vor, jetzt auch Money Boy Fans anzusprechen?

Niklas: Eigentlich bin ich nur darauf aus, dass Money Boy uns endlich mag.
Steffen: Wir möchten gern mit ihm auf Tour gehen und unter seine Gucci-Fittiche.

SG (lacht): Gucci-Fittiche gibt es aber auch wo anders.

Steffen: Aber nicht wie bei Money Boy!

SG: Und so auf der menschlichen Ebene? Was würdest du da zu RAZZ sagen?

Steffen: Eigentlich dassselbe. Also man muss uns mal kennen lernen. Wir sind eigentlich nicht sehr interessant. Wir reden nicht viel, wir sind total unwitzige Arschlöcher und… kann man vergessen. Lieber auf ein Konzert gehen.

SG: Am besten nur für die Musik interessieren und Personen ausblenden.

Steffen: Genau, kann man eh immer vergessen.

SG: Rock am Ring, Rock im Park, Lollapalooza… Worauf hättet ihr noch Bock? Oder ist jetzt für euch schon alles erreicht?

Steffen: Niklas will ja unbedingt auf dem Glastonbury spielen, also wollen wir alle eigentlich. Ich fände es zum Beispiel auch interessant, mal in Japan oder in Südkorea zu spielen. Allein, weil ich die Länder mal besuchen möchte und ich glaube, da gibt es eine gute Live-Kultur und interessante Menschen. Das wäre schon spannend.
Niklas: Ja, mein Ziel ist immer noch das Glastonbury. Als wir mit der Musik angefangen haben, da sind wir immer als Gäste aufs Hurricane gegangen und es war immer so ein kleines Etappenziel quasi, einmal dort zu spielen. Und als wir dann das wirklich geschafft haben, hab ich gemerkt: Okay, wir müssen unsere Ziele einfach stetig höher setzen. Beim Hurricane hat es geklappt, vielleicht klappt es dann auch mit größeren Festivals. Seitdem hoffe ich, dass wir irgendwann auf den Glastonbury spielen. Obwohl, nee! Ich warte auf den Moment bis wir das Glastonbury headlinen. So muss ich das vielleicht formulieren, dass das auch wirklich klappt.

SG: Kann ja nicht mehr lange dauern. Jetzt nach dem Interview bestimmt… neeein…

(alle lachen)

Ihr klingt jetzt zwar eher so international, aber was findet ihr denn – abgesehen von Money Boy – so in der deutschsprachigen Musiklandschaft gut?

Niklas: Ich finde gerade in der deutschen Musiklandschaft voll interessant, dass die neue deutsche Popmusik aufblüht, was so die lyrischen Sachen angeht. So Bilderbuch-mäßig. Aber es gibt auch total viele echt interessante Bands, die wieder – ich sag jetzt bewusst „wieder“ – mit Texten auf Deutsch gut umgehen. Klar das gab’s früher auch zum Beispiel bei Element of Crime. Aber auch Von Wegen Lisbeth find ich zum Beispiel mega gut. Was die mit den Texten machen oder auch musikalisch! Von daher find ich, dass gerade deutsche Musik momentan echt voll cool ist.

SG: Uhh!

Steffen: Voll cool! Ich hab von Von Wegen Lisbeth ’ne extrem gespaltene Meinung. Wenn ich schlecht gelaunt bin und dann Von Wegen Lisbeth läuft, dann raste ich komplett aus und hab‘ auf gar nichts mehr Bock. Aber wenn man gute Laune hat und dann diese Band hört, dann ist es das Geilste überhaupt.

SG: Kann ich bestätigen. Letztes Jahr auf einem Festival dachte ich auch so… nice.

Steffen: Das ist nice!

SG: Hab ich nur so irgendwann was mit „Bitch“ gebrüllt und… (alle lachen) bin voll abgegangen, das war super. Wenn ihr jetzt so auf Festivals unterwegs seid, seid ihr die Menschen, die dann auch mal mit Bands so Freundschaften schließen oder sprecht ihr eh mit keinem?

Steffen: Ich hab auf’m Rock Am Ring die beiden Backgroundsänger und den Sänger von Welshly Arms kennengelernt. Aber nicht, weil wir das forciert haben, sondern weil es sich halt so ergeben hat. Auf’m Rock im Park haben wir uns zum Beispiel mit ’nem Security-Mann gut angefreundet… Wir sehen jetzt keinen Musiker und denken: ‚Oar, da müssen wir jetzt hin und müssen mit dem labern.‘ Es passiert einfach oder es passiert halt nicht.
Niklas: Aber ich glaube, wir sind auch so Menschen… wenn wir irgendwas total cool fanden, dann gehen wir auch dahin und sagen: „Ey, fand ich echt nice!“

SG (stimmt an): Das ist nice, das ist nice.

Niklas: Jetzt ist’s vorbei.
Steffen: Ich hab schlechte Laune, ich geh jetzt nach Hause!
(alle lachen)

SG: Was ich auch immer ein bisschen lustig finde.. ich habe ja vorher ein bisschen nach euch gegoogelt…

Niklas: Das ist interessant, was findest du?

SG: Tatsächlich gar nicht so viel wie erwartet. Ich bekomme auch eher von positive Meinungen mit als dass ich irgendwie mal was Negatives über euch höre. Außer vielleicht in die Richtung, dass ihr austauschbar und zu sehr wie die Kings Of Leon klingt. Aber sonst bekomme ich echt nur positiven Input bei euch.

Steffen: Vielleicht ist das so, weil wir noch zu den kleineren Bands in Deutschland gehören. Einfach, dass Leute uns für irrelevant halten und sagen, da muss man jetzt nicht drüber wettern. Da macht man sich jetzt lieber über Max Giesinger her, weil der groß ist. Also über den kann man denken, was man will. Aber ich meine, es ist sowieso eher selten, dass kleinere Bands im Internet jetzt großartig angegriffen werden oder schwer kritisiert.

SG: Ich hab halt selbst in den YouTube Kommentaren gesucht und hab einfach nichts Spannendes gefunden. Ich hätte euch gern mit irgendwas konfrontiert, aber da war nichts.

Steffen: Worauf wärst du beispielsweise aus gewesen? Was hättest du uns gerne an den Kopf geworfen? Sag du doch mal was Böses…

SG: Nein, mir fällt ja nichts ein!

Steffen: Ich finde, dass Niklas klingt wie ein kaputtes Garagentor, wenn er singt. Oder Christian tanzt wie ein Storch auf ner heißen Herdplatte.

SG: Wie viel muss man dafür rauchen, dass man so singt…

(alle lachen)

Sowas kommt bestimmt öfter, oder?

Niklas: Ja, ich wurde am Anfang auch immer gefragt, wie viel Whiskey und Zigarren ich am Tag rauche. Wie viel Whiskey ich rauche und wie viele Zigarren ich trinke.
Steffen: Niklas raucht nicht und trinkt keinen Whiskey. Er trinkt Spiritus und isst Holzkohle.

SG: Was ich mir bei euch ganz lustig vorstelle: Morgen ist der letzte Tag und danach ist einfach alles vorbei. Was tut ihr?

Niklas: Wäre es der letzte Tag nur für uns?

SG: Für die komplette Welt.

Niklas: Okay. Die komplette Welt. Ich glaube, dann fände ich es langweilig, irgendwas Abgefahrenes zu machen, weil das irgendwie jeder macht. Das ist mir dann viel zu Mainstream, von Hochhäusern zu springen und so…
Steffen: Ich glaube, die ganzen Wasserparks sind dann total überfüllt oder die ganzen Freizeitparks. Da kann man eh nichts mehr machen.
Niklas: Ich glaube, ich würde mir nämlich einfach nur ne Packung Popcorn holen, ne richtig eiskalte Coke und würde mich irgendwo in die Straßen setzen und zugucken, wie viele Leute auf Drogen Hochhäuser runter springen und irgendeinen abgefahrenen Scheiß machen.

SG: Danke! Machen wir das bitte zusammen?

Niklas: Können wir gerne machen, ja.

SG: Das hab ich immer schon auf diese Frage geantwortet! Weil ich das geil finde!

Steffen: Popcorn und Cola!

SG: Ja gut, das ist variabel. Können auch Chips sein.

Niklas: Aber gesalzene! Also wenn, dann gesalzene Chips.

SG: Ja. Geh ich mit. Dann treffen wir uns dann.

Niklas: Gut, dann haben wir ein Date morgen.
Steffen: Dann könnt ihr mir zugucken, wie ich auf Drogen von Hochhäusern springe. Weil das werde ich auf jeden Fall machen.

SG: Gibt es noch irgendwas Allgemeines, was ihr der Welt unbedingt mitteilen möchtet?

Steffen: Wenn zwei Leute aufeinander zulaufen, können wir uns bitte einigen, dass man immer rechts vorbei geht und nicht dieses Tänzeln macht? Wenn sich alle jetzt darauf einigen könnten, das wäre mega geil! Das ist mir gerade schon dreimal hintereinander passiert und das ist super unangenehm. Also einfach immer rechts gehen. Wenn wir das alle machen, dann sind wir durch.
Niklas: Das wäre tatsächlich sinnvoll. Sonst noch informativ: Schweine können nicht nach oben gucken. Wir spielen im November ’ne Tour. Elefanten sind, glaube ich, die einzigen Säugetiere, die nicht springen können. Und unser Album kommt im September.

Steffen: Schmetterlinge schmecken mit ihren Füßen. Erwachsene Katzen miauen nur, um mit Menschen zu kommunizieren.

SG: Dankeschön!

v.l.n.r.: Niklas, Tini & Steffen. Selfiearm: Steffen Pott

Informationen zum Interview

Das Interview mit Niklas und Steffen von RAZZ fand am 18. Juni 2017 in Dortmund statt.
Interview:
Tini | Transkription: Karolin | Reinschrift: Tini

tini
tini

Medienstudentin und Software-Testerin in NRW. Fotografiert erst seit August 2014, dafür aber mit voller Leidenschaft. Canon EOS 700D* mit Canon 50mm 1.4* samt original Canon GeLi* & Canon 24mm 2.8*

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Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Genau diesen Phänomenen widmet sich Schallgefluester - dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ - hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionenund Ankündigungen - ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und END oder großer Fisch wie Thees Uhlmann, Jan Delay oder Sleeping With Sirens - für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

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