Rezension: Astairre – So lange wir noch funktionieren

Am 1. April erschien die EP „So lange wir noch funktionieren“ von Astairre. Hier und da wird die junge Band als große Hoffnung gehandelt, sind angeblich aus der Kölner Musikszene kaum wegzudenken. Doch ist da was dran? Kann deren Sound etwas? Haben Astairre Chancen, längerfristig auf dem Musikmarkt zu bestehen und vielleicht sogar zu einer bekannteren Band aufzusteigen?

Ich habe mir in Rahmen dieser Überlegungen die EP angehört und mein eigenes Urteil gefällt.

Astairre sind in Sachen Livegigs schon einmal keine Unbekannten für mich. Bei den Ruhr Games spielten sie vor Rapper Chefket auf einem Schulhof in Gelsenkirchen, beim Green Juice Special in Bonn gaben sie sich mit Musikern wie Heisskalt und den Blackout Problems die Klinke in die Hand. Ich nahm sie bei beiden Gigs als ambitioniert wahr, jedoch konnten sie mich bisher live nie komplett überzeugen. Ob mein Eindruck von der EP besser sein wird?

Astairre - So lange - LP Hülle.indd
Name So lange wir noch funktionieren von Astairre
Erschienen am 01.04.2016 via Unter Schafen Records
Musikstil Rock
Spieldauer 14:57 min verteilt auf 5 Songs
Weitere Infos Facebook Schallgefluester Es geht los! 3 Schallgefluester Dreimillionen 7
zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.

Das Artwork von „So lange wir noch funktionieren“ würde ich mir schon einmal in seiner vollen Pracht auch so an die Wand meines WG-Zimmers hängen. Das hat einfach Stil und macht irgendwie Bock auf mehr.

Der erste Song „Ich hasse meine Freunde“ wirkt trotzig und ambitioniert.
Zunächst dümpelt der Track noch ein wenig herum, ehe er nach und nach etwas an Fahrt aufnimmt, schrammeliger und tanzbarer wird, aber nach knappen 2:43 min und meiner Ansicht nach viel zu vielen Wiederholungen von „Sag mir, was willst du eigentlich von mir“ auch schon wieder vorbei ist. Leichter Schreigesang trifft auf etwas härtere Gitarrenriffs im Stile von Heisskalt.

Die Single „Cavern club“ etwa klingt in meinen Ohren wie ein Song, den ich im Alter von etwa 14 Jahren sicher gern gehört hätte. So leicht, unbeschwert und jugendlich, handelt er eben unter anderem auch von der Sehnsucht nach einer so unbeschwerten und einfachen Zeit. Und von den Beatles, Rock’n’Roll und Popmusik. Könnte auf jeden Fall im Radio laufen und würde dort nicht negativ auffallen.

„Lässt du mich auch alleine“ erweist sich durch seinen besonders treibenden Rhythmus und den gewissen Schuss Rotzigkeit als besonders tanzbar. Spontan schießen mir Assoziationen zu Bakkushans „Vorhang auf“ in den Kopf. Zum Klimax des Songs drehen Astairre noch einmal ein wenig stärker auf und schrammeln vor sich hin, doch so richtig will mich auch das nicht abholen.

„1984“ war jener Song, welcher mich im Jahr 2015 so neugierig auf die Band gemacht hatte. Während man die Strophen des Songs zum Sammeln aller Energie nutzen kann, dreht der Refrain in guter alter Deutsch-Rock-Manier ordentlich auf und verführt zum Tanzen oder Herumschubsen.

„Am Punkt“ bildet den Abschluss der EP. Etwas rotzigere Gitarrenriffs, ein schnelles Schlagzeug. Irgendwie erinnert  die Instrumentalisierung an eine deutlich gediegenere, jugendlichere und viel zu liebe Version von Marathonmann – nur eben wieder mit diesem Funken von Bakkushan.

Ich weiß nicht so recht, ob es am Perfektionismus der Band liegt, aber Astairre klingen trotz ihrer kleineren Ausbruchsversuche wie etwa in „Ich hasse meine Freunde“ immer noch viel zu geleckt und brav. Meiner Ansicht nach fehlt der Band etwas, was aus der Reihe tanzt, ihren Sound individuell macht und mir als Hörerin diesen gewissen „Aha“-Effekt beschert. Astairre bieten zumindest auf ihrer EP einfach zu viel Mix aus schon existenten Bands und zu wenig eigenständigen Sound.

Anspieltipps: „1984“

tini
tini

Medienstudentin in NRW. Fotografiert erst seit August 2014, dafür aber mit voller Leidenschaft. Canon EOS 700D* mit Canon 50mm 1.4* samt original Canon GeLi* & Canon 24mm 2.8*

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