Fotos/Bericht: Aufbau West in Warendorf

Es ist nun fast ein Jahr her, dass wir diese Band Aufbau West zum Interview gebeten haben. Klar, dass wir sie mal wieder etwas genauer unter die Lupe nehmen mussten. Deshalb begaben wir uns auf den zugegebenermaßen ziemlich anstrengenden und doch lohnenswerten Weg ins beschauliche Warendorf bei Münster.

Unsere Erwartungen sind hoch gesteckt. Im Vorfeld wurde bereits etwas von Streichern und Bläsern gemunkelt. Ein kleiner Radiobeitrag deutet Weiteres an, doch wir trauen uns nicht, großartige Mutmaßungen über den Verlauf des Abends anzustellen. Wie auch, wenn aus Aufbau West Frontmann Flo kurzerhand „Joe“ wird? Glaubwürdigkeitsprobleme incoming…

Der Weg nach Warendorf bei Münster gestaltet sich für uns fast wie das Kinderspiel „Das verrückte Labyrinth“. Zugverbindungen tauchen aus dem Ungewissen auf, wir googlen zunächst falsche Adressen, zweifeln an der Richtigkeit der Bahn (wieso sollten wir nach Bielefeld wollen?), werden ziemlich umständlich durch die Dunkelheit einer Kleinstadt navigiert und von minutenlanger Angst geplagt, jederzeit aus dem nächsten dunklen Busch angesprungen werden zu können. „Das Ziel befindet sich auf der linken Seite“, meint die roboterartige Navigationsstimme schließlich und wir sind froh, als wir erkennen, dass sie Recht hat. Das bunte Treiben im Foyer des Schulgebäudes spricht für sich. Wir befinden uns tatsächlich am Mariengymnasium in Warendorf.

Die Wartezeit gestaltet sich so wie jede andere Wartezeit eben auch, nur dass wir diesmal feststellen, wie lange wir schon nicht mehr eine Schule von Innen gesehen haben. Karos Abi ist mittlerweile auch bald schon zwei Jahre her, meines sogar über drei. Auch wenn ich nach meinem Abschluss noch hin und wieder Schulgebäude zum Anwerben von Freiwilligendienstleistenden betreten musste, ist es für mich ein seltsames Gefühl, wieder solche Gefilde zu betreten und auf wesentlich jüngere Menschen in so etwas wie ihrer tagtäglichen natürlichen Umgebung zu stoßen. Eine Umgebung, in der man für sein Leben geprägt wird – mit guten und schlechten Erfahrungen. Wenn ich ehrlich bin, dann wünsche ich mir meine Schulzeit jedenfalls nicht mehr zurück… aber darum soll es hier ja nicht gehen. Die Schüler an diesem Gymnasium wirken für’s Erste jedenfalls nervös und aufgedreht. Und ja… die Band hüpft jetzt nicht unbedingt wie Flummis herum, aber auch ihnen kann man die Anspannung deutlich anmerken.

Eröffnet wird der Abend von einem überwiegend in dunklen Farben gekleideten Chor der Schule, welcher zwei Songs samt Klavierbegleitung zum Besten gibt. Ich bin recht angetan, habe ich doch schon bedeutend schlechtere Darbietungen von Chören erleben müssen. Die Mehrstimmigkeit sitzt und so steigt die Neugierde darauf, wie das nun alles so mit Band klingen mag.

Wir stutzen kurz, als sich ein paar Schüler auf der Bühne versammeln und zu einer Seilsprung-Szene ansetzen. Kurze Zeit später kichern wir fasziniert, weil wir wissen, uns nun erwartet. Diese kleine Darbietung, eine Streitszene unter Kindern, stellt eine äußerst gelungene Einleitung zum Song „Deine Mutter“ dar. Wir können uns kaum noch vor Niedlichkeits-Overflow halten, als dieser die bekannten Zeilen anstimmt. Dann platzt auch schon der Knoten – Aufbau West stoßen auf der Bühne vor ihrem altbekannten reflektierenden Hintergrund dazu… und es wird laut und einfach nur lässig. Ein absolut gelungener Start!

Schnell wird das Publikum darum gebeten, doch etwas näher an die Bühne zu kommen und immer mehr kommt für diesen doch ungewöhnlichen Rahmen ein richtiges Konzertfeeling auf. Im Nu vergessen wir, dass wir uns in der Aula eines Gymnasiums befinden. Einzig und allein die Zielgruppe mag uns noch daran erinnern. Wir stehen, zappeln und knipsen da nun also zwischen Kindern, die uns bis zur Hüfte reichen, deren älteren teilweise sogar in Bandmerch gekleideten Geschwistern und Eltern, die tatsächlich trotz der Lautstärke stehen bleiben und der Band zuhören. Sowohl Lehrkräfte, als auch so manche Schüler singen begeistert mit, wo es nur geht. Zugegebenermaßen wirkt das auf mich dann doch ein wenig befremdlich, sind die Texte dieser Band nun alles Andere als leichte Kost. Aber gut, hier steht wohl auch einfach der Spaß an der Musik im Vordergrund.

Gespickt wird dieser Abend mal wieder von allerlei ungelenken scherzhaften Bemerkungen eines Frontsängers, welcher unverblümt von einer Darmspiegelung in Warendorf erzählt oder etwa Bandkollegen Martin vorführen möchte, der als ehemalige Lehrkraft dieser Schule aber an diesem Abend alle Sympathien auf seiner Seite hat. „Joa Sport… wenn wir bei dir keine Referate machen mussten, warst du wohl geil!“ – es scheint, als habe der Keyboarder tatsächlich einen guten Eindruck bei den Schülern des Mariengymnasiums hinterlassen.
Zu „So große Gegenstände“ schließlich werden die übrigen drei Bandmitglieder von Flo für die nächsten Minuten für arbeitslos erklärt. Stattdessen holt er sich seine kleinen Kriegerinnen in Form von Streicherinnen und einem Mädchen am Keyboard auf die Bühne, welche ihm auch sogleich die passende Kriegsbemalung verpassen. Nun gut, diese erinnert uns zwar eher an Feivel den Mauswanderer, aber der Wille zählt.
Es fasziniert uns, wie der Chor auch hier mitsingt, so gut es nur geht.
„Und das ist erst der Anfang“ wiederum wird mit der Hilfe von Trompete und Posaune bestritten, was diesem Song in unseren Augen noch viel mehr Dynamik verleiht. Stünde uns so etwas in der Macht, dann würden wir die Jungs direkt für weitere Auftritte der Band buchen!

Die Überraschung des Abends dann ist aber eine ganz andere. Noch vor Anstimmen des Songs „Die sicher schlimmste Wahl“ wird erklärt, dass dies nun der letzte Song für Bassist Johannes sei. Goodbye, Johannes!
Damit jetzt aber niemand in Panik verfällt – Aufbau West machen demnächst dann zu dritt weiter, es wird sich nur eben etwas in Sachen Sound ändern. Ihr dürft auf jeden Fall gespannt sein.

Auch wenn sich Frontmann Flo das eine oder andere Mal ziemlich um Kopf und Kragen geredet hat, spricht der Andrang am Merchstand direkt nach dem Konzert klar für sich. Man muss schon echte Geduld beweisen, um am Ende noch ein paar Worte mit der Band wechseln zu können.

Wichtige Bemerkung: Sollten Sie ein Elternteil sein und nicht wollen, dass ein Foto Ihres Kindes hier zu finden ist, so wenden Sie sich bitte einfach an hallo@schallgefluester.de. Wir nehmen uns der Angelegenheit selbstverständlich an und werden das betreffende Bild sofort entfernen. Sie können uns gern auch schreiben, sollten Sie eines oder mehrere der Fotos gern für private Zwecke ohne Copyrightzeichen und in höherer Auflösung haben möchten.

tini
tini

Medienstudentin und Software-Testerin in NRW. Fotografiert erst seit August 2014, dafür aber mit voller Leidenschaft. Canon EOS 700D* mit Canon 50mm 1.4* samt original Canon GeLi* & Canon 24mm 2.8*

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Schallgefluester

Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Genau diesen Phänomenen widmet sich Schallgefluester - dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ - hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionenund Ankündigungen - ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und END oder großer Fisch wie Thees Uhlmann, Jan Delay oder Sleeping With Sirens - für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

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