Rezension: Radio Havanna – Unsere Stadt brennt

Freitag der Dreizehnte ist wohl das waghalsigste Datum, das man sich aussuchen kann. Ob sich das Radio Havanna gut überlegt haben, als sie dies als Releasedatum ihres neuen Albums „Unsere Stadt brennt“ festlegten? Christin hat spontan den Entschluss gefasst, dieser Sache einmal nachzugehen und sich todesmutig an die zwölf Songs starke Platte heran gewagt.

Radio Havanna. Das sind doch die, die mich beim Green Juice Festival wirklich positiv überrascht haben. Ich muss zugeben, dass ich die Band vorher nur vom Hörensagen her kannte. Doch seit August und dem Interview weiß ich da ja so ungefähr, was in ihnen steckt. Wenn es nach mir ginge, dann sollten sie wieder mehr Punk in ihre dem Mainstream doch sehr nahe gerückte Musik einbringen. Na mal sehen…

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Name Unsere Stadt brennt von Radio Havanna ¹
Erschienen am 13.02.2015 via Uncle M Music/Cargo Records
Musikstil deutscher Punkrock
Spieldauer 37:31 min verteilt auf 12 Songs
Weitere Infos Facebook Webseite Twitter YouTube Instagram
zu erwerben via Amazon*, iTunes & Co.

Unsere Stadt brennt. Das sagt auch schon das Cover in Signalorange und Schwarz ganz gut aus. Schlicht und auffällig, keine unnötigen Schnörkel, kann man machen. Vielleicht ist dies ja schon ein Hinweis auf den musikalischen Gehalt der Platte.
Auch wenn ich sicher die obengenannten Hintergedanken im Kopf habe, so gebe ich mich dem Album aus einer spontanen Laune heraus hin. Einfach drauf los.

„Einfach drauf los“ scheint zu klappen und passt direkt zum Start des mittlerweile schon fünften Albums der Band. „Schiffbruch“ heißt der Opener. Ein sehr ausgewogener Song, ruhigere Strophen, mitreißender Refrain und mich beschleicht direkt eine kleine Vorahnung, die ich noch für mich behalten möchte.
Es geht weiter mit „Phantom“ – es bleibt bei einem guten Tempo, ein Hauch vom Liebe kommt textlich zum Vorschein und paart sich mit Politik und Alkohol. Gefällt, haut aber noch nicht völlig vom Hocker. Auch wenn gerade der Vergleich des lyrischen „Du“ mit dem Knockout in Runde acht irgendwie charmant klingt – da geht noch mehr.
Und was soll ich sagen?
Die Band enttäuscht nicht – das Album entpuppt sich im weiteren Verlauf als Balanceakt zwischen Punk und Mainstream, Songs mit klarem Hymnencharakter und Liebesbotschaften. Und irgendwie erinnert der Sound manchmal sogar an Die Toten Hosen.
Ob Ohrwurm-Refrains wie etwa in „Raketen“ oder „Feuer“, überraschend viel Gefühl in „Glasherz“ oder „Komm zurück“, In-die-Fresse-du-kack-Gesellschaft-Attitüde wie „Unnormal“ und „Kaputt“ oder Hymne à la „Geisterstadt“ und „Sturm“ – die Band zeigt sich hier äußerst facettenreich und bleibt dabei überwiegend positiv. Es wird gemeinsam in Richtung Zukunft geblickt. So „Kaputt“ die Welt auch sein mag, ob Leber oder Heizung, so positiv ist in diesem Fall die Wirkung von „Dynamit“, denn „Wir haben keine Angst, aber Ideale, wir läuten eine neue Ära ein – Zeit für den Neuanfang, ein neuer Ort, ein neuer Plan.“
Besonders „Glasherz“ überrascht mich völlig. Zwar hat der Text fast schon etwas Schlagereskes an sich und trotzdem berührt dieser Titel einfach. Das hängt mit Sicherheit stark von der emotionalen Lage des Hörers ab. Selbiges in Sachen Emotionen kann man auch zu „Komm zurück“ sagen, welches zwar zu Beginn deutlich schneller daherkommt, dafür aber kurzzeitig in Sachen Gesang etwas irritiert. Doch der Refrain reißt das Ruder komplett rum und lässt den zehnten Titel des Albums so zu einem vollen Erfolg werden.
Beim genaueren Hinhören bei „Feuer“ ärgere ich mich fast schon wieder über die Umbenennung unseres Blogs: „Tanzt du heute nur für mich, sind wir Schall und Rauch im Neonlicht? Du siehst mich, du siehst mich nicht… “
Überraschenderweise ist es gerade der Namensgeber, der mich am wenigsten umhaut. Irgendwie bringt dieser vergleichsweise einfach nicht so viel rüber wie so ziemlich jeder andere Titel der Platte. Die große musikalische Eskalation kommt dort einfach zu spät.

Insgesamt bin ich wirklich positiv vom Album überrascht. Radio Havanna vereinen hier genau das, was ich mir für die Band gewünscht habe. Der Mix aus Punkrock und Mainstream, die Themenwahl und vor allem die starken oftmals sehr eingängigen Refrains beeindrucken mich zutiefst und machen „Unsere Stadt brennt“ in meinen Ohren zu einer äußerst gelungenen Platte.

Anspieltipps: „Raketen“, „Glasherz“, „Sturm“

Radio Havanna auf Tour

19.02.15 Hamburg Hafenklang
w/ Alex Mofa Gang
20.02.15 Hannover Faust
w/ Alex Mofa Gang
21.02.15 Düsseldorf The Tube
w/ Alex Mofa Gang
22.02.15 Essen Weststadthalle
w/ Alex Mofa Gang
23.02.15 Jena Rosenkeller
w/ Alex Mofa Gang
25.02.15 Mannheim JUZ
w/ Alex Mofa Gang
26.02.15 Reutlingen Franz K
w/ Alex Mofa Gang
27.02.15 Leipzig Werk 2
w/ Alex Mofa Gang
28.02.15 München Backstage
w/ Alex Mofa Gang
01.03.15 Solothurn (CH) Kofmehl
w/ Alex Mofa Gang
03.03.15 Marburg Cafe Trauma
w/ Alex Mofa Gang
04.03.15 Frankfurt am Main 11ers Music Club
w/ Alex Mofa Gang
05.03.15 Rostock Mau Club
w/ Alex Mofa Gang
06.03.15 Berlin (Albumrelease Konzert) Lido
w/ Marathonmann & Rogers
07.03.15 Osnabrück Kleine Freiheit
w/ Alex Mofa Gang
17.04.15 Nürnberg Eat the Beat Fest
w/ Bambix & Jaya the Cat
tini
tini

Medienstudentin und Software-Testerin in NRW. Fotografiert erst seit August 2014, dafür aber mit voller Leidenschaft. Canon EOS 700D* mit Canon 50mm 1.4* samt original Canon GeLi* & Canon 24mm 2.8*

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Schallgefluester

Livemusik und Bühnennebel. Der Stoff, aus dem Konzerte sind. Genau diesen Phänomenen widmet sich Schallgefluester - dein Musikblog mit Herz und Seele statt kopfloser Massenproduktion. Von Adam Angst bis Die XYZ - hier wird musikalische Vielfalt groß geschrieben. Von Konzertfotos und Berichten bis hin zu Interviews, Rezensionenund Ankündigungen - ich widme mich kleinen und größeren Künstlern und deren Musik. Ob Geheimtipp wie Farben/Schwarz und END oder großer Fisch wie Thees Uhlmann, Jan Delay oder Sleeping With Sirens - für mich zählt die Leidenschaft an der Musik.

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